Dienstag, 10. Mai 2011

Schlachterei

Gestern haben wir die Arbeit von zwei Tagen gemacht - viele Schafe sortiert, pedikürt, Lämmer gesucht, eingefangen, mit Medizin und Ohrmarken versehen, auf andere Weiden getrieben usw. - um heute mehr Zeit zu haben und in die Schlachterei fahren zu können. Nortura heißt der Konzern, der für den Großteil der norwegischen Fleischproduktion zuständig ist und eine riesige "Filiale" mit ca. 600 Angestellten liegt in der Nähe von Stavanger. Dort wird das Lämmerleben enden und außer Schafen werden da auch Schweine geschlachtet.
Schuhüberzieher hatten wir natürlich auch an
Ein Bekannter von Ellen hat uns durch die Anlagen geführt. Die Schafe werden lebend geschoren, die Wolle wird klassifiziert und säckeweise verpackt, dann gehen sie einen Gang entlang und bekommen einen Elektroschock in den Kopf. Schafe wurden heute auch geschlachtet, aber erst nachmittags, sodass wir uns die Prozedur bei den Schweinen näher angeschaut haben. Diese wurden grüppchenweise in einen Aufzug getrieben, fuhren nach unten in eine Kohlenstoffdioxid-Kammer, kamen betäubt wieder nach oben, wurden an einem Fuß aufgehängt und bekamen die Hauptschlagader aufgeschnitten. Die ausgebluteten Schweine fuhren durch einen brennenden Rahmen, sodass die Borsten versengt wurden, dann Außenreinigung, Entnahme von Gedärmen und Innereien, alle zwei Meter ein Mitarbeiter, der etwas anderes mit dem vorbeibaumelnden Schwein machte. Einer stand mit einer Riesen-Säge auf einer Plattform, die sich hoch und runter bewegte und teilte die Schweine so in Hälften. Tierärztliche Kontrolle, Abschneiden von Ohren und Schwanz und vieles anderes...bis es am Förderband in die Tiefkühlung und weitere Bearbeitung ging. Wir sind in Schutzkleidung mitten zwischen den herumbaumelnden Schweinekörpern unterwegs gewesen (die sich noch dazu ständig weiterbewegten) und haben uns das alles zeigen lassen. Parallel zu den Schweinen läuft die Schafkette, die dann im Herbst so richtig auf Hochtouren kommt. Auch wenn man hier und da in Blut und andere organische Reste tritt, fand ich die ganze Angelegenheit sehr sauber und gut organisiert. Ich bin jedenfalls weiterhin überzeugter Nicht-Vegetarier. Nach der Besichtigung waren wir von unserem Führer auch gleich noch in der Kantine eingeladen, gutes Schweinekotelett gab´s da;-)

Nach dem nachmittäglichen Arbeitseinsatz sind wir mit Ellen noch im benachbarten Stall gewesen, um dort Kühe und Schweine zu bewundern. Die Kühe werden zweimal am Tag gemolken, wozu die Melkmaschine per Hand angesetzt wird, automatisch melkt (inkl. Anzeige der Melkgeschwindigkeit und der gesamten Milchmenge) und am Ende von selbst abfällt. Dreimal in der Woche kommt dann der große TINE-Laster und nimmt die Milch mit.

Dann haben wir noch einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Ellen hat uns über eine schöne Strecke nach Brusand gefahren. Wir haben unterwegs einen bekannten Schaffarmer besucht und uns seine norwegischen Wildschafe und den riesigen Berner Sennenhund zeigen lassen. An der Küste Brusands sind heute noch Verteidigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg zu erkennen, die "Hitlerzähne". Zurück ging es durch eine wunderbar hügelige Landschaft, die ich mir auch noch einmal näher anschauen muss. Ich habe da schon wieder einen Wanderweg gesichtet...
Hitlerzähne in Brusand

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