Dienstag, 31. Mai 2011

Besuch!

Ja, ab heute habe ich meine eigene TA auf der Schaffarm! Mittags habe ich Christin vom Flughafen abgeholt und sie wird nun eine Woche hier bleiben. Auf dem Rückweg sind wir gleich mal eine sehr schöne Route an der Nordsee entlang gefahren und haben uns den Geruch des Meeres um die Nase wehen lassen.
dieser winzige Leuchturm auf der kleinen Insel am Horizont...
Zum Glück hat Christin auch gleich schönes Wetter mitgebracht, sodass ich nach der grauen Zeit endlich mal wieder ein paar Sonnenstrahlen genießen konnte (während ihr ganz schön kalt war nach den tropisch-deutschen Temperaturen). Natürlich gab es den obligatorischen Rundgang über die Farm, wobei ich zumindest zeigen konnte, wo mal Schafe gewesen sind. Den Nachzüglern haben wir heute noch Medizin und Ohrmarken verpasst, morgen kommen die dann auch auf die Weide und werden leider nicht mehr direkt vor der Haustür anzutreffen sein. Schade, schade...
Natürlich schmeckt´s auch woanders!
Abends sind wir noch mit Ellen zum Trabrennen nach Stavanger gefahren, wo auch wieder drei Pferde aus dem hiesigen Stall am Start waren.
hier rennen die Rennpferde
und hier rennt ein Rennpony!

Sonntag, 29. Mai 2011

Jærdagen und Beethoven

Nachdem ich Ellen und ihrem Neffen in den letzten beiden Tagen beim Aufbau permanenter Zäune geholfen habe, hatte ich heute meinen freien Tag. Dieses Wochenende fand ich Bryne der "Jærdagen" statt, so eine Art "Plauener Frühling" auf Norwegisch. Die Region, in der ich mich hier befinde ist ja Jæren, eine der wenigen flachen Gegenden in Norwegen. Dafür ist es ganz schön hügelig, aber das ist ja alles eine Frage der Relationen. Nun, wie sich das gehört gab es eine große Bühne, viele Stände mit Essen und Produkten aus der Region, einen Rummel, die Geschäfte hatten offen usw. In diesem Rahmen war ich heute Vormittag zu einem Gottesdienst. Der war ganz in Ordnung, bis auf den Kinderchor mit grauenhaftem Playback und die Breakdance-Gruppe. Danach gab es Kaffee und Kuchen für alle und es war viel zu viel Kuchen da;-)

Außerdem fand heute das Konzert eines semiprofessionellen Orchesters aus Sandnes statt (20 km von Bryne entfernt). Ich hatte anfangs mal überlegt, in diesem Orchester mitzuspielen, den Plan dann aber zu Gunsten meiner Schäfchen verworfen, die jeden Abend um 21 Uhr nochmal ihre Flasche bekommen. Drei Abende in der Woche zu fehlen wäre etwas übertrieben. Insbesondere das Programm hat mich gereizt - Strauß Hornkonzert Nr. 1 und Beethovens Siebte. Und so hatte ich mir schon lange vorgenommen, mir das Konzert wenigstens anzuhören. Heute war ich nach meinem Mittagschlaf wenig motiviert, weil es draußen regnete und stürmte - ich habe also angefangen, mir den Beethoven hier anzuhören, aber im 2. Satz festgestellt, dass der so toll ist, dass ich auch richtig ins Konzert gehen kann! Also bin ich nach Sandnes geradelt, war pitschenass, habe mir konzertfeine Klamotten über die Radelsachen geworfen und ein sehr schönes Konzert gehört. Das Orchester wäre wohl eher meine Liga gewesen, aber wer saß da als Stimmführer der Bratschen? Der unfreundliche Bratscher von letzter Woche, dessen Namen ich nie erfahren habe. So hat alles seine Ordnung. Mein Pflegefall war auch da, aber nur im Publikum, während seine Frau am Kontrabass stand. Der Weg zurück war dann, trotz abendlichen Sonnenscheins, ziemlich lang und anstrengend. Morgen mach ich keinen Sport.

Donnerstag, 26. Mai 2011

American Concert

Oder besser Konzert für Amerikaner?
Heute hatte ich einen Auftritt mit dem Chor. In der Turnhalle der Volkshochschule hatte sich eine Gruppe von vielleicht 25 Amerikanern versammelt, die gespannt unseren Liedern lauschte. Die Zuhörer waren "Road Scholars" (in Status und Alter etwa den deutschen Studiosus-Reisenden entsprechend) auf ihrer Kulturreise durch Skandinavien. Ich habe mich irgendwie durchgewurschtelt...ich kann ja beim besten Willen keine Noten und Texte auswendig lernen, stand also in der zweiten Reihe und habe bei den Lieder, zu denen ich keine Noten und kaum Singerfahrung hatte, fröhlich vorgetäuscht. Es lief auf jeden Fall gut, der Chor ist stark und sehr flexibel. Und wenn man die Trommel für das Sami-Lied vergisst, nimmt man eben einfach den nächstbesten Papierkorb.
Danach wurde ich von mehreren Amerikanern angesprochen, die sich statt historischer Fakten über den Chor meine kleine Geschichte mit der Biochemie und den Schafen anhören mussten. Und der eine hat dann so viel erzählt, dass ich gar nicht dazu kam, meinen Gulrotkake (Möhrenkuchen) zu genießen. Das sind schon sehr kontaktfreudige und offene Menschen. In 12 Tagen kommt die nächste Ladung - gleiches Spiel noch einmal!

Mittwoch, 25. Mai 2011

Das Jüngste

In den letzten Tagen kam es doch immer mal wieder nass von oben, sodass die Schafe (zumindest die wenigen, die das noch können) sich den Regen auch lieber von drinnen anschauten.

Ich habe es noch gar nicht richtig vorgestellt: mein kleinstes Flaschenkind, noch namen- und nummernlos, aber jeden Tag wieder niedlich! Auf dem Bild ist es gerade pitschenass. Rechts der Größenvergleich zu einem der älteren Flaschenkinder. Das sind richtige Monsterschafe dagegen! Und ich muss aufpassen, dass die Nummer 110 das Kleine nicht mobbt. Die ist manchmal ziemlich gemein, aber dann schubs ich zurück.












Am Montag sind etwa 100 Schafe wieder mal auf eine andere Weide umgezogen, diesmal so weit entfernt, dass sie mit dem doppelstöckigen Viehtransport dahin gebracht wurden. Und dort bleiben sie jetzt auch bis zum September. Und heute ist hier so ein Art Schafsparty, also so etwas wie eine Tupperparty für Schafszubehör. Deshalb haben wir heute auch alles aufgeräumt und hübsch gemacht. Kaum zu glauben, dass man auf einer Schaffarm einen lauten, stinkenden Rasenmäher benutzt...ja, diese Ehre wurde mir heute zuteil und jetzt weiß ich, warum sich Lea letztens beschwert hat;-) Jetzt ist der ganze Hof ist mit Autos zugeparkt, aber ich habe mich dem Geschehen lieber entzogen, weil ich ja eh keinen kenne.

Montag, 23. Mai 2011

Syng deg glad

...heißt "Sing dich froh" und war der Titel unseres Konzerts, was heute in Klepp stattfand. Die Sängerin Helene Haarr, ein Trio (To Tynne og ein Runde), der Männerchor von Klepp sowie das reichlich vorhandene Publikum waren auch mit von der Partie. Es erklangen viele (Volks)Lieder zum Mitsingen, einige solistische Beiträge und sogar die armen Hebriden, die nicht um eine zweite Aufführung herum kamen. Das ganze Programm war mit dem Frühling, der Liebe und dem Meer verknüpft und gerade bei den ganze Seefahrerwalzern hätte man so richtig mitschunkeln können. Was für ein Programm...ich kann keine Nachschläge mehr sehen!
Eine meiner Meinung nach exportwürdige Angelegenheit war die Waffelpause. Während in Deutschland Sekt und Rotwein geschlürft wird und etwas Salzgebäck geknabbert wird, standen hier für die Konzertbesucher und die Ausführenden unheimlich viele Teller mit frisch gebackenen Waffeln bereit, die von vielen fleißigen Händen zubereitet worden waren, dazu Kaffee oder Cola. Das war lecker...

Samstag, 21. Mai 2011

Weight Watchers

Heute haben wir alle Lämmer gewogen. Es waren einige Bekannte von Ellen mit da, sodass insgesamt 14 Hände mit anpacken konnten. Bei insgesamt ca. 400 Schafen, die auf drei Weiden verteilt sind, war diese Aktion schon eine große logistische Herausforderung, wobei man gemerkt hat, dass das hier nicht zum ersten Mal gemacht wurde.
Die Waage ist ein sehr altertümliches Gerät, im Prinzip ein klappriger Käfig mit Ein- und Ausgang. Im Gegensatz dazu steht die Technik zur Datenerfassung - ein Scanner, der nur über den Kopf des Lammes gehalten werden muss, um die Kennziffer der elektronischen Ohrmarke zu erfassen. Das Gewicht wird eingetippt und später per USB oder Bluetooth auf den Rechner überführt. Von 6 kg bis 30 kg war auch alles dabei. Ich als kritisches Wesen fand es dann doch sehr amüsant und gleichzeitig entnervend, wenn die Waage bei jedem Positionswechsel einen anderen "Null"-Wert angezeigt hat. Mal -0,2 kg, mal -3,7 kg...und es hat keinen interessiert! Der Sinn der Aktion erschließt sich mir leider nicht, wenn wir auf 4 kg genau wiegen, aber auf 0.5 kg genau eingeben...schade um die Arbeit.
Dann haben wir noch Schafe und Lämmer sortiert, weil sie wieder nach einem neuen Prinzip verteilt werden sollten. So gab es grüne, blaue und rote Schäfchen. Und nach der Arbeit gab´s leckere Pizza!

Freitag, 20. Mai 2011

Trinkkumpanen

Diesen oder ähnliche Anblicke habe ich dreimal am Tag:



Ich habe jetzt sogar noch ein Flaschenkind dazubekommen. Einen kleinen Schafjungen, der am vergangenen Samstag geboren ist. Der hat auch zu wenig Milch von der Mutter bekommen, sodass ich erst übergangsweise mit der Flasche zugefüttert habe, was nun wohl zum Dauerzustand geworden ist. Es ist aber schön, nochmal so ein kleines handliches Schäfchen zu haben.
Am vergangenen Mittwoch hatte ich zum Füttern Unterstützung von Anna-Bergitte und ihren drei Kindern. Denen hat das alles hier sehr gut gefallen, auch wenn die Schafe nicht so viel trinken wollten wie sonst und auch nicht lange bei uns geblieben sind. Wahnsinn, wie sehr die sich an mich gewöhnt haben!

Im Orchester habe ich diese Woche bratscherische Unterstützung bekommen. Der Mensch spielt sehr gut, hat aber leider keine Anstalten gemacht, sich vorzustellen (und mir auch nicht die geringste Chance gegeben). Am Sonntag haben wir wieder ein Konzert. Im Chor war ich auch wieder und das macht nach wie vor viel Spaß.
Arbeit gibt es natürlich auch noch reichlich...entlaufene Schafe einfangen, Lamm-Memory, Klauen schneiden, Medizin, Umzüge auf andere Weiden, Ohrmarken usw. Und gestern habe ich auf einer Weide Unmengen von Disteln gestochen. Ja, harte körperliche Arbeit, nach der ich gleich in einen Mittagstiefschlaf gefallen bin!
Idylle auf der Distelweide
Nun ist das Wetter ist doch nicht so schlecht wie erwartet und ich freue mich noch dazu Abend für Abend an der Helligkeit. Zwischen halb und um 11 dämmert es jetzt und dabei bin ich doch gar nicht so weit im Norden!

Mittwoch, 18. Mai 2011

Schlechte Aussichten

Ich glaube, ich sollte morgen noch einmal raus gehen...

Dienstag, 17. Mai 2011

Nationalfeiertag

Der 17. Mai ist in Norwegen ein sehr wichtiger Tag. Vor 197 Jahren wurde an diesem Tag das Grundgesetz des Königreichs Norwegen verabschiedet und seit 1836 wird er als Nationalfeiertag angesehen. In jedem kleinen und großen Ort finden Paraden statt, an denen gerade die Kinder großen Anteil und Spaß haben. Norwegische Flaggen wehen, wohin das Auge nur sieht. Es gibt Tröten und Tuten, Süßigkeiten, Würstchen, Spiele, Eis und noch viel mehr tolle Dinge. Aber das Allertollste sind in meinen Augen die Trachten und ihre Selbstverständlichkeit bei den Norwegern.
Anlässlich des Feiertages habe ich heute Morgen nur eine Stunde gearbeitet. Frode und Anna Bergitte hatten mich nach Lye eingeladen, um die Feierlichkeiten mit ihnen und ihren Kindern zu begehen. Zuerst war im Gemeindehaus ein Gottesdienst, danach folgte die große Kindergarten- und Schulparade von Lye. Alle drei Kinder der beiden waren beteiligt und so sind Anna Bergitte von einer Stelle zur nächsten gehechtet, um den Umzug so oft wie möglich zu sehen und viele Fotos zu machen. Und wie schick sie alle aussahen in der Tracht...heute war ich hoffnungslos "underdressed". Immerhin nicht in der Jogginghose, in der ich hier immer herumlaufe, aber Jeans und Regenjacke sind zwischen den vielen Trachtenkleidern und Anzügen schon herausgestochen. Woher soll man das als Deutsche auch ahnen, wo doch bei uns nicht zu jeder Familienfeier die Flagge (inkl. der Flagge des Nachbars) gehisst wird? Nach dem Umzug sind alle in die Turnhalle gegangen, wo nach einer kurzen Rede die norwegische Nationalhymne erklang. Ich fühlte mich wieder ein bisschen weihnachtlich. Dann gab es Essen und Trinken, im Anschluss draußen Spiele für die Kinder und dann habe ich mich verabschiedet, um mir das Geschehen in Bryne auch noch anzuschauen. Hier war u.a. der Russzug. Russ ist etwas ganz typisch Norwegisches und bezeichnet eine besondere Phase der Schulabsolventen, gekennzeichnet durch kreative Uniformen, die so oft wie möglich getragen werden, Feiern, Saufen, Mutproben, Russkarten, die besonders bei den Jüngeren begehrt sind...nun ja, schwer durchschaubar, sehr speziell und von Wikipedia sicher besser erklärt;-) Der Umzug war nicht so spannend, aber der spätere offizielle Umzug von Sportvereinen, Pfadfindern, Musikkorps usw. war schön.
Jetzt gab´s zum Abendessen auch noch Rentierbraten und ich bin glücklich und zufrieden:-)
Album: 17. Mai 2011

Montag, 16. Mai 2011

Trinkkultur

Jetzt habe ich ja die beiden Flaschenkinder von Lea übernommen. Eins kommt nur manchmal und trinkt relativ wenig, aber das andere ist das gierigste Lamm überhaupt. Es ist ganz knuffig, mit schöner lockiger Wolle, einem großen schwarzen Fleck auf der Seite und kleinen Hörnchen, die es schon gekonnt zum Drängeln einsetzt. Im Gegensatz zu meinen drei Chaoten ist es ziemlich schlecht erzogen - es grunzt und furzt beim Trinken und ist so gierig, dass es dabei Milchschaum erzeugt, der das ganze Maul verklebt. Meine haben auch einen besseren Zug drauf und kriegen die Flaschen schneller leer. Außerdem bleiben sie auch nach dem Trinken noch ein bisschen da und lassen sich streicheln, während Klein-Lea da schon wieder die Flucht ergreift. Kritisch wird es, wenn alle fünf Lämmer gleichzeitig mitbekommen, dass ich da bin. Ich habe doch nur zwei Flaschen!



Zum Countdown: Es ist nur noch ein Schaf übrig!

Aktualisierung 21:45 Uhr: Jetzt sind alle da. JIPPPIIIEE!

Sonntag, 15. Mai 2011

Synesvarden

Heute bin ich zu dem Wanderweg geradelt, der mir letzte Woche vom Auto aus aufgefallen war. Von den 15 km ging es bestimmt 14 bergauf...was für ein Training. Zwischendurch habe ich mal angehalten und ein Lamm befreit, was sich mit dem Kopf im Drahtzaun verfangen hatte. Das Lamm war am Hals schon ziemlich rot und der Drahtzaun schon ziemlich wollig. Als ich näher kam, hat es so einen Schreck bekommen, dass es nach ein paar sinnlosen Vorwärtssprüngen mit viel Kraft den Weg rückwärts heraus gefunden hat.
Dann ging´s auf den Wanderweg und immer schön bergauf, bis ich ein interessantes Steingebilde erreichte, von wo aus man einen atmenberaubenden Blick hatte - die ganze Küstenlinie von Egersund im Süden bis Stavanger im Norden und noch dazu das bergige Hinterland! Gleichzeitig mit mir erreichte eine ältere Frau die Anhöhe und nach einer Weile sprach sie mich an, um mir zu zeigen, dass ich mich in ein Tourenbuch eintragen kann, was gut getarnt in einer Metallbox zwischen den anderen Steinen lag. Wir kamen ins Gespräch und sind danach zwei Stunden zusammen gewandert! Wir haben uns ungezwungen unterhalten, sie hat mir ganz viel gezeigt (später auch auf der Landkarte) und es war sehr angenehm, mit ihr unterwegs zu sein. Trotz der 40 Jahre und 7 Tage Unterschied zwischen unseren Geburtstagen waren wir irgendwie auf einer Wellenlänge und haben beide sehr viel aus der Begegnung mitgenommen.
Synesvarden

Nach der 12 km langen Wanderung ging es wieder mit dem Rad zurück nach Fosse, wo mich schlechte Neuigkeiten erwarteten. Ellen hatte heute Geburtstag und da Geir gestern mit einem Pferd nach Oslo gefahren war, um heute am Oslo Grand Prix (einem der wichtigsten Pferderennen Norwegens) teilzunehmen, hatte sie die Verantwortung im Pferdestall. Wie ich erfahren habe, muss sich am Morgen ein Pferd mit der Nase in der Aufhängung seines Wassereimers verhakt haben, sodass es sich die ganze Schnauze aufgerissen hat. Ich habe ein Foto gesehen...schrecklich. Nichts, was ein Tierarzt (noch dazu an einem Sonntag) vor Ort hätte richten können. Es ging also in die Tierklinik bei Stavanger, dort das ganze Programm mit Vollnarkose und Nähen mit über 100 Stichen. Abends nochmal der Weg, um es nach dem Aufwachen aus der Narkose abzuholen. Jetzt steht es etwas apathisch und leicht zitternd in seiner blutbeschmierten Box, die unförmige Schnauze zur Wand gewandt.

Wenigstens haben wir jetzt am Abend etwas Torte gegessen und ich habe die 21-Uhr-Schicht mit den Schafen übernommen. Dass sowas gerade heute passieren muss...

Nun ja, zum Abschluss für meine Hundefreunde mal wieder ein Bild, was zeigt, dass der Welpe tatsächlich mal ein Hund werden könnte!

Samstag, 14. Mai 2011

Countdown

frisch geboren
Heute Vormittag hat das drittletzte Schaf seine Lämmer zur Welt gebracht! Nun ja, das Schaf selbst hat nicht viel gemacht außer im Stroh gescharrt, aber Ellen hat die drei Kleinen geholt. Viel Milch hatte das Schaf auch noch nicht zu bieten, sodass es wieder Rohmilch aus dem Gefriervorrat gab.



12 Stunden später: schön sauber und trocken
Heute habe ich Lea zum Bahnhof gebracht...ihre zwei Monate hier sind vorüber und ich finde es sehr schade, dass ich jetzt alleine hier bin. Nicht, dass mir langweilig würde, aber zu zweit essen, ausmisten, in der Küche werkeln, Flaschen geben und durch die Gegend fahren ist halt schöner. Am Mittwoch waren wir übrigens an einem Nordseestrand und ich habe Lea beim Baden zugeschaut und mich selbst mit meinem Eis begnügt;-)

Sonst waren die letzten Tage in Ordnung. Unter Vorwand des Melkautomaten habe ich mir die Orchesterprobe am Mittwoch geschenkt und am Donnerstag konnte ich auch nicht zum Chor, weil wir den unteren Stall ausgemistet haben. Das ist schon eine ordentliche Schicht nach 3-5 Monaten, aber dank Traktor war das alles halb so wild. Gestern wieder die übliche Aktion: Pediküre und Glocken, Kokzidiose-Impfung, Ohrmarken und noch eine andere Medizingabe, bevor es auf eine weiter entfernte Weide ging. Die Kandidaten gestern waren ziemlich stur und es hat eine ganze Weile gedauert, bevor sie ihre gewohnte Weide verlassen haben. Da fragt man sich schon, was in so einem Schafskopf vor sich geht...
Zwischendurch mit zweien meiner Freunde

Mittwoch, 11. Mai 2011

Melkautomatik

Heute waren wir nach der Arbeit bei einem anderen Nachbarn, der einen richtigen Hightech-Stall hat. Unglaublich, aber mit der Ausstattung wird Milchbauer ein Computerjob! Je nach Wetter sind die Fenster des Stall automatisch offen oder geschlossen. Es gibt einen Fütter-Automaten, der die Silage im Mittelgang verteilt. Der Putzautomat fährt immerwährend durch die Gegend, während die Kühe einfach über ihn hinwegsteigen. Die Kühe selbst laufen frei zwischen Fress- und Liegeplätzen herum und können sich zwischendurch mal von einer großen rotierenden Bürste putzen lassen.
Aber am beeindruckendsten ist die Melkautomatik - in der Melkbox gibt es Kraftfutter und die Kühe stellen sich freiwillig vor dieser Box an. Sobald eine drin ist, wird die Kuh anhand ihres Halsbands auf ihre Identität gescannt und darf dort bleiben, wenn seit der letzten (natürlich computererfassten) Melkung mehr als 6 Stunden vergangen sind. Die Box wird geschlossen und ein Roboterarm fährt unter die Kuh, um mit einer kleinen rotierenden Bürste das Euter zu putzen. Dann fängt der Roboter an, das Euter mit einem Laser zu scannen und einer nach dem anderen werden die vier Adapter daran gesetzt, selbst wenn sich die Kuh zwischendurch bewegt! Die Milchleistung wird für jede einzelne Zitze erfasst und aufgezeichnet und am Ende fallen die Adapter einer nach dem anderen wieder ab und werden gereinigt. Falls die Kuh krank oder gerade Kolostrum gibt, wird die Milch nicht in den Haupttank geleitet, sondern in kleinere Auffangbehälter. Und wenn die voll sind, kriegt der Bauer eine SMS...

Hier das Werbevideo des Melkroboters:

Dienstag, 10. Mai 2011

Schlachterei

Gestern haben wir die Arbeit von zwei Tagen gemacht - viele Schafe sortiert, pedikürt, Lämmer gesucht, eingefangen, mit Medizin und Ohrmarken versehen, auf andere Weiden getrieben usw. - um heute mehr Zeit zu haben und in die Schlachterei fahren zu können. Nortura heißt der Konzern, der für den Großteil der norwegischen Fleischproduktion zuständig ist und eine riesige "Filiale" mit ca. 600 Angestellten liegt in der Nähe von Stavanger. Dort wird das Lämmerleben enden und außer Schafen werden da auch Schweine geschlachtet.
Schuhüberzieher hatten wir natürlich auch an
Ein Bekannter von Ellen hat uns durch die Anlagen geführt. Die Schafe werden lebend geschoren, die Wolle wird klassifiziert und säckeweise verpackt, dann gehen sie einen Gang entlang und bekommen einen Elektroschock in den Kopf. Schafe wurden heute auch geschlachtet, aber erst nachmittags, sodass wir uns die Prozedur bei den Schweinen näher angeschaut haben. Diese wurden grüppchenweise in einen Aufzug getrieben, fuhren nach unten in eine Kohlenstoffdioxid-Kammer, kamen betäubt wieder nach oben, wurden an einem Fuß aufgehängt und bekamen die Hauptschlagader aufgeschnitten. Die ausgebluteten Schweine fuhren durch einen brennenden Rahmen, sodass die Borsten versengt wurden, dann Außenreinigung, Entnahme von Gedärmen und Innereien, alle zwei Meter ein Mitarbeiter, der etwas anderes mit dem vorbeibaumelnden Schwein machte. Einer stand mit einer Riesen-Säge auf einer Plattform, die sich hoch und runter bewegte und teilte die Schweine so in Hälften. Tierärztliche Kontrolle, Abschneiden von Ohren und Schwanz und vieles anderes...bis es am Förderband in die Tiefkühlung und weitere Bearbeitung ging. Wir sind in Schutzkleidung mitten zwischen den herumbaumelnden Schweinekörpern unterwegs gewesen (die sich noch dazu ständig weiterbewegten) und haben uns das alles zeigen lassen. Parallel zu den Schweinen läuft die Schafkette, die dann im Herbst so richtig auf Hochtouren kommt. Auch wenn man hier und da in Blut und andere organische Reste tritt, fand ich die ganze Angelegenheit sehr sauber und gut organisiert. Ich bin jedenfalls weiterhin überzeugter Nicht-Vegetarier. Nach der Besichtigung waren wir von unserem Führer auch gleich noch in der Kantine eingeladen, gutes Schweinekotelett gab´s da;-)

Nach dem nachmittäglichen Arbeitseinsatz sind wir mit Ellen noch im benachbarten Stall gewesen, um dort Kühe und Schweine zu bewundern. Die Kühe werden zweimal am Tag gemolken, wozu die Melkmaschine per Hand angesetzt wird, automatisch melkt (inkl. Anzeige der Melkgeschwindigkeit und der gesamten Milchmenge) und am Ende von selbst abfällt. Dreimal in der Woche kommt dann der große TINE-Laster und nimmt die Milch mit.

Dann haben wir noch einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Ellen hat uns über eine schöne Strecke nach Brusand gefahren. Wir haben unterwegs einen bekannten Schaffarmer besucht und uns seine norwegischen Wildschafe und den riesigen Berner Sennenhund zeigen lassen. An der Küste Brusands sind heute noch Verteidigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg zu erkennen, die "Hitlerzähne". Zurück ging es durch eine wunderbar hügelige Landschaft, die ich mir auch noch einmal näher anschauen muss. Ich habe da schon wieder einen Wanderweg gesichtet...
Hitlerzähne in Brusand

Sonntag, 8. Mai 2011

Eine Kutschfahrt

Ein ruhiges Wochenende liegt hinter mir...eigentlich hatte ich geplant, an meinen eineinhalb freien Tagen ausführlich Fahrrad zu fahren und zu wandern. Es war auch schön sonnig und warm, allerdings bei Windstärke 5-6. Da bin ich zu Hause geblieben und habe Schäfchen gezählt:
Schäfchen zählen

Gestern Abend hatten Lea und ich mal wieder zusammen frei und haben die Gelegenheit genutzt, uns gleich noch einmal zum Abendessen bei Frode und Anna-Bergitte einzuladen. Es gab ganz leckere Hühnersuppe mit frisch gebackenem Fladenbrot, später von uns noch Mousse au Chocolat. Apropos: ich liebe es, immer garantiert frische Eier im Haus zu haben! Wir hatten jedenfalls wieder einen schönen Abend bei den beiden, haben viel erzählt, ein gutes Spiel gespielt (Ticket to ride) und sogar ein bisschen Musik gemacht.

Für heute hatte ich auch keinen Plan, bis Ellen uns eine Kutschfahrt vorschlug! Ein Bekannter hat die Pferde und die Kutscherausstattung als Hobby. Heute hat er eine Konfirmandin von der Kirche abgeholt und nach Hause gefahren. Wir durften bei der Anreise dabei sein und haben uns gleich ganz königlich gefühlt!
Die Kutsche - wie aus dem Märchenbuch, auch innen (Bild von Ellen)!
Blick nach vorne
alle anderen Tiere (und Menschen) haben uns beneidet
Und das war die Kirche...wie unpassend.
Lea und ich in der Kutsche
Danach hat uns Ellen noch die riesigen belgischen Pferde auf dem Grundstück des Kutschenbesitzers gezeigt. Und die Apparatur, mit der er Kühe herumdrehen kann, sodass die Beine nach oben weisen, wenn er seiner beruflichen Tätigkeit der Kuh-Pediküre nachgeht. Wir sind der Kutsche noch einmal entgegen gefahren und haben uns dann das Regionalmuseum von außen angeschaut. Danach hat Ellen uns noch ein leckeres Eis ausgegeben und zurück ging es zu den durstigen Schafen, deren leere Wassereimer im Sturm schon sonstwohin geflogen waren. Später am Tag sind wir noch ein gutes Stück Zäune abgelaufen, weil ein Teil der Schafe morgen nach medizinischer Behandlung die Weide wechseln soll und noch ein paar Ausbesserungsarbeiten notwendig sind.
Zur Perfektion des ohnehin schon wunderbaren Tages gab es abends auch noch Eierkuchen mit sehr gutem Eis aus regionaler Produktion...mmh!

Freitag, 6. Mai 2011

Kampf den Parasiten

Gestern hatte Geir Geburtstag und da gab´s von uns natürlich eine richtige Geburtstagstorte. Von unten nach oben: Biskuit - Banane - Sahne - Schoko-Mousse-Buttercreme - Milka Kuhfleckenschokolade als Deko;-)

Während der vergangenen beiden Tage haben wir die ersten 120 Lämmer "metaphylaktisch" gegen Kokzidiose geimpft. Kokzidien sind einzellige obligate Parasiten, die den Verdauungstrakt der Lämmer intrazellulär befallen und sich über den Kot verbreiten. Eine Woche nach dem Weideaustrieb gibt´s die Impfung und zwar mit der links gezeigten Apparatur direkt ins Maul. Praktisch: hinten ist gleich der Farbstift dran, mit dem geimpfte Lämmer angemalt werden können. Statt der blauen Farben haben unsere aber die scanbaren Hightech-Ohrmarken bekommen. Tja, jetzt sind beide Ohren verunstaltet...und ich darf erst ein anderes Mal Schafe anmalen. Wo die Schafe einmal drinnen waren, hat Ellen gleich noch ein bisschen Medizin für das ein oder andere kränkelnde Schaf oder Lamm gegeben, die Pediküre wurde fortgesetzt, zwei übervolle Euter erleichtert (meine neue Schlüsselqualifikation: Schafe melken) und alte/verloren gegangene Ohrmarken ersetzt. Nach den aktuellen Veränderungen ist in dem einen Stall nur noch unser "Prisoner", nämlich ein angebundenes Schaf, was nur so sein Lamm und sein Adoptivlamm trinken lässt. Und in dem anderen Stall sind die 12 (oder jetzt schon nur noch 11?) Schafe, die noch Lämmer bekommen werden. So ist die ganze Angelegenheit unterdessen sehr überschaubar!
Hier ziehen gerade ein paar Schafe mit dem "Cabrio" um.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Anhänglich

Dienstag, 3. Mai 2011

Pediküre

Seit heute bekommen die Schafe ihre Klauen geschnitten. Ein Teil der Schafe ist auf einer Weide, die noch einen Zugang zum Stall hat, sodass sie immer zum Trinken und Kraftfutter-Fressen hereinkommen. Wir müssen also nur die Tür hinter ihnen zumachen und eines nach dem anderen festhalten, während Ellen die Klauen bearbeitet. Festhalten ist wie schon einmal erwähnt eine Sache für sich, denn so ein Schaf ist kräftig und schwer. Und das Schaf so zu wenden, dass es dann mit der anderen Seite an der Wand steht, ist auch eine Kunst. Nun, nach den zehn Schafen heute werden wir noch genug Gelegenheit haben, das zu üben. Alle pedikürten Schafe bekommen dann eine Glocke umgehängt und dürfen friedlich weitergrasen.

Heute war ich mal wieder mit beim Trabrennen in Stavanger und habe sogar gewettet - ich habe 20 NOK auf das Pferd gesetzt, das Lea hier immer reitet. Das wurde wegen Galopp disqualifiziert. Ganz große Klasse...
Aber zur Beruhigung: Lea hat noch 10 NOK auf ein anderes Pferd aus dem Stall gesetzt (auf Platzierung); dieses hat das Rennen gewonnen und sie hat 11 NOK ausgezahlt bekommen. Da bringt uns Geirs Gewinner-Beutel mit Süßigkeiten mehr!

Sonntag, 1. Mai 2011

Lysefjord

Da Ellen und Geir der Meinung sind, dass wir sehr gute Arbeitsgäste sind, wollten sie uns beiden eine kleine Kreuzfahrt in den Lysefjord bei Stavanger spendieren. Wir haben uns natürlich riesig gefreut und uns heute auf den Weg gemacht. Mit dem Rad nach Bryne, mit dem Zug nach Stavanger und nach ein paar Schritten in der Altstadt hinauf aufs Boot, wo sich das Sonnendeck zunehmend füllte. Dann ging es aus Stavanger heraus, vorbei an kleinen Inseln und niedlichen Wochenend- und Ferienhäuschen in Richtung Lysefjord. Die Berge wurden höher, die Wolken dichter und der Wind schärfer. Es gab verschiedene Sehenswürdigkeiten zu bewundern, z.B. den "Hexenkessel" (eine große runde Aushöhlung), eine Höhle, in der sich mal Landstreicher versteckt haben sollen und drei Ziegen. Ja, Ziegen. Das ist ja schon eine Sehenswürdigkeit nach all den Schafen. Ich habe keine Ahnung, wie die Ziegen da hingekommen sind, vermutlich mit dem Boot. Ihre Weide ist auch nicht besonders groß, aber dafür gibt´s jedes Mal Kraftfutter, wenn ein Touristenboot kommt. Was für ein Spaß...denken sich die Ziegen und bleiben stehen, wo sie stehen. Aber zurück zum eigentlichen Höhepunkt - Preikestolen. Das ist eine 604 m hoch über dem Meeresspiegel ragende Felskanzel, die oben ganz flach ist und steil abfällt. Diese Felsformation sieht schon beeindruckend aus (ist durch eine Eissprengung vor 10 000 Jahren entstanden) und ist auch bewanderbar! Insgesamt ein schöner Ausflug, der Lust auf mehr macht!
Lysefjord