Mittwoch, 13. April 2011

Lämmer

Heute war sozusagen mein erster richtiger Arbeitstag. Früh ging es mit teils schlechten Nachrichten los - Ellen war nachts wieder auf den Beinen und hat zwei gesunden Lämmern, einem Schwächling und einem toten Lamm auf die Welt geholfen. Wahrscheinlich ist es gestorben, weil die Mutter schon seit Stunden gebären sollte, wohl aber hormonell bedingt nicht richtig gepresst hat...wie auch immer. Der Schwächling kam unter die Rotlichtlampe, damit er in der Wärme auf die Beine kommt und dann hoffentlich zu seiner Mutter zurückgesetzt werden kann. Zwischendurch hatten wir ihn mal draußen in der Sonne und haben mit ihm laufen geübt, aber er wollte gar nicht, knickte immer wieder ein und blieb ganz platt auf dem Boden liegen. Naja, wenigstens atmet er und trinkt ab und zu ein bisschen was.
Als ich gerade überlegte, ob ich meine dreistündige Mittagspause auf dem Fahrrad oder im Bett verbringen soll, ging es weiter. Zwei Schafe gleichzeitig, eins mit zwei, das andere mit drei Lämmern. Drumherum standen viele andere Schafe, die auch Interesse an den Lämmern zeigten, da muss man aufpassen. Dann das nächste mit einem großen Lamm. Dann wieder eins mit zwei Lämmern, total bescheuert gegen ein Gatter geboren (zu diesem Zeitpunkt war die Mittagspause zu Ende). Nach dem Füttern wieder zwei Lämmer. Und am Abend noch einmal drei Lämmer, wovon eins leider auch tot geboren wurde, da es mit dem Schwanz zuerst herauskam und deshalb die Nabelschnur zu zeitig getrennt wurde (normalerweise Vorderfüße zuerst, kurz danach der Kopf). Die beiden Geschwister sind auch Schwächlinge, müsste aber im Laufe der nächsten Stunden auf die Beine kommen.

Die Neuen von heute

Und was machen wir dabei? Im Falle einer normalen Geburt gar nichts, bis das Lamm da ist. Dann die Schnauze von Schleim befreien, sodass es atmen kann, evtl. noch den Rücken massieren. Für schwere Fälle gibt es Respirot, ein Medikament was nach Gabe ins Maul sehr schnell resorbiert wird und direkt auf das Atemzentrum im Gehirn wirkt. Dann fängt das Mutterschaf an, die Lämmer abzulecken und dabei interessant grummelnde Geräusche zu machen. Andere Schafe dürfen dabei gerne helfen, die Lämmer sollten aber nicht bei ihnen trinken. Wir bleiben bei den Lämmern, bis sie auf allen Vieren stehen und dann folgt meistens ein Umzug in eine der vorbereiteten Boxen - wobei es nicht immer Türen zwischen den Gehegen gibt, manchmal wird auch auf- und zugeschraubt oder erst aufgebaut (Akkuschrauber griffbereit). Die Mutter kommt hinterher, sobald die Lämmer dort sind. Bis die Nachgeburt da ist, kriegt die Mutter lauwarmes Wasser zu trinken und außerdem sollten die Lämmer dann langsam auch mal was trinken (wenn nicht: Zitze zeigen. Oder Schaf melken/Kuhmilch auftauen/Milchpulver anrühren und Flasche geben).
Das Problem ist, dass die Geburt sehr schnell gehen kann, locker innerhalb von zwei Stunden. Ellen schläft zurzeit keine Nacht durch und schaut mindestens einmal nach, ob im Stall alles in Ordnung ist. Wenn nicht, werden die Nächte schnell sehr kurz und ich fühl mich immer ganz schlecht, wenn ich früh frisch und ausgeschlafen in den Stall komme.

Märchenstunde mit Lea

3 Kommentare:

Dani hat gesagt…

Da ist ja ganz schön was los bei dir!!
Ist eigentlich schon abzusehen wann alle Lämmer da sein werden? Wünsch dir weiterhin eine schöne Zeit!
lg aus dem Nachbarland :)

Rosi Lohmeier hat gesagt…

Da fühlt man sich richtig mit hineingenommen in das Landleben! aber auch der Bericht von Stavanger war interessant für mich; die Kollegin deiner Mutter von der Augenarztpraxis in Plauen
Rosi L.

Luzia hat gesagt…

Das geht ja wie am Fließband - klar, bei so vielen Schafen! Musst du den Lämmern dann immer die Flasche geben oder bevorzugst du den Akkuschreauberposten?

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