Freitag, 29. April 2011

Von der Weide...

Das ist Nummer 110
Die letzten beiden Tage waren nun wieder sehr entspannt. Es sind noch ein paar Lämmer dazugekommen, aber mit den vielen Schafen auf der Weide gibt es wesentlich weniger zu tun, sodass wir uns wieder voll und ganz dem Ausmisten der Pferdeboxen widmen können. Das Füttern der Flaschenkinder ist nun allerdings eine größere Herausforderung - heute bin ich über die gesamte Wiese gelaufen (und die ist groß), um am anderen Ende Nummer 108 anzutreffen. Leider hat mich das Lamm nicht zu seinen Geschwistern geführt, denn die lagen an einem wieder anderen Ende herum. Abgesehen davon, dass sie eh herumlaufen wo sie wollen, ist das Mutterschaf auch nicht besonders markant. Aber es ist schon schön, wenn man sich zwischendurch einfach mal auf die Wiese setzt und jemand angehoppelt kommt, auf einem herumklettert und überall nach Milch sucht.



Schafsschlaf
Gestern Abend war ich wieder mit unserer Nachbarin zur Chorprobe. Das Singen in diesem Chor macht wirklich Spaß und es ist auch ganz gut, zwischendurch mal unter Leute zu kommen. Nur aufs Fahrrad kam ich während der letzten Tage nicht, wohl weil ich immer schon ein geschlafen war, bevor ich mich dazu aufraffen konnte;-)

Mittwoch, 27. April 2011

Schafsfreiheit

Das Wetter ist hier zurzeit einfach nur herrlich - ein Sonnentag nach dem anderen ohne Aussicht auf Änderung! So haben wir während der letzten beiden Tage einen Großteil der Schafe (inklusive Lämmern) nach draußen auf die unterdessen saftig-grünen Wiesen befördert.
Auszug aus dem Stall
Idylle hinter dem Haus; sie grasen fast an meinem Fenster vorbei
Idylle neben dem Haus
Und vor dem Haus ist schon ziemlich lange eine Schafweide, wo die beiden Böcke, das Psycho-Schaf und sein altes Lamm ihr Unwesen treiben. Am Anfang war der Zaun noch nicht perfekt und die Böcke liefen ständig sonstwo herum, aber nun sind sie artig.
Es gab natürlich unheimlich viel zu tun für den Schafsumzug: Ohrmarken vergeben (meine Flaschenkinder haben also endlich "Namen", nämlich Nr. 108, 109 und 110), Lämmer hin- und hertragen, Türen auf- und zumachen, den Weg zur Weide eingattern und alles fest- und zusammenbinden, auf den Weiden Zäune aufbauen, davor noch große Steine herauslesen und in die Traktorschaufel schmeißen (ja, ich bin heute zum ersten Mal Traktor gefahren!), Kraftfutter-Spender anbringen, diese immer gefüllt halten, zwischendrin noch die ein oder andere Schafsgeburt, ständig Lämmermilch aus dem Pulver anrühren usw.
Noch dazu hatte ich heute einen Auftritt mit dem Orchester. Sie haben ein Kooperationsprojekt mit einer Kulturschule laufen. Ich weiß gar nicht, ob das eine richtige Schule oder eine Musikschule ist. So haben wir heute in einer Schule ein leicht verdauliches Programm gespielt, teils mit sehr kleinen Streichern zusammen. Ein paar Solobeiträge gab es auch und das Ganze war herrlich schief. So kann man sich natürlich auch verkaufen - gegen ein Streichorchester in den ersten Unterrichtsjahren sind wir richtig gut!

Zum Abschluss noch ein Foto des nun 2 Wochen alten Welpen, der langsam beschließt, seine Augen zu öffnen und die Beine nicht nur zum Kriechen zu benutzen:

Montag, 25. April 2011

Rennzeit

Sonntag, 24. April 2011

God påske!

Lea und ich haben ja momentan immer nur getrennt jeweils einen Tag pro Woche frei. Ich habe mir gestern als freien Tag ausgesucht und bin mit dem Zug von Nærbø, einem 9 km entfernten Ort, nach Egersund gefahren. In norwegischen Zügen darf man Fahrräder mitnehmen, muss aber pro Rad 50% des Fahrpreises bezahlen. Ich hatte keine Ahnung, wie das genau umgesetzt wird und habe fürs Rad einfach ein Kinderticket gekauft, was hier auch auf 50% läuft. Wie sich herausstellte, war das genau richtig!

Egersund
Egersund ist ein niedliches Städtchen ca. 80 km südlich von Stavanger. Auch hier gibt es viele Holzhäuser in den verschiedensten Farben. Die Umgebung ist recht bergig und gleichzeitig von Meeresarmen und Inseln geprägt. Ich bin ein bisschen durch die Stadt gefahren und habe mich dann auf meine Radstrecke begeben - entlang des Nordseeküstenradwegs.

auf der alten Bahnstrecke zwischen Egersund und Hellvik
Von Stavanger nach Hellvik wird dieser auf einer alten Bahntrasse geführt. Links gibt es dabei oft das Meer mit verschiedenen Inseln und Halbinseln zu sehen und wenn gerade nicht das Meer zu sehen ist, geht es an schön gelegenen Seen vorbei. Ich glaube, dass man etwas von der ursprünglichen Trasse abgewichen ist, um ein paar Aussichtspunkte anzusteuern...die dann mit haarsträubenden Anstiegen erkämpft werden müssen.

auf dem westländischen Hauptweg
Kurz nachdem ich die Bahnstrecke verlassen hatte, bin ich auf dem 1845 angelegten "westländischen Hauptweg" gelandet, der durch eine beeindruckende Felslandschaft führt, aber auch wieder ordentliche Steigungen aufweist. Hm, als Nordsee-Umradler mit viel Gepäck ist das sicher sehr kräftezehrend, zumal man am Ende vor einem Tor steht, über welches man sein Rad heben muss, um dann mitten in einer Gärtnerei zu landen...wo war gleich mein Weg? Aber er ging tatsächlich dort weiter und führte kurz darauf an einen schönen Sandstrand. Ich habe gerade so die Supermarktöffnungszeiten für Påskeaften (Ostersamstagabend) abgepasst, um mir Energienachschub zu besorgen und bin dann mit wunderbarem Rückenwind (es waren Böen bis 70 km/h angekündigt) weiter Richtung Norden gerollt, mit immer wieder tollen Aussichten auf die blaue Nordsee.

alter Friedhof von Varhaug
In der Nähe von Varhaug habe ich eine schönen alten Friedhof mit Meerblick gefunden, auf dem eine winzige Kirche stand...traumhaft.

Noch mehr Eindrücke meiner Tour gibt es in diesem Fotoalbum:
Album: Egersund - Fosse

In Norwegen wird Ostern am Samstagabend gefeiert. Als ich hier nach meiner 70 km-Tour wieder angekommen war, ging es bald ins...nun, sie nennen es hier "Lavo". Das ist ein Tipi-artiger, recht großer Holzverschlag hier auf dem Grundstück, in dem wir am Lagerfeuer Würstchen gegrillt haben. Und am Abend gab es noch ganz leckere, frisch gebackene Waffeln mit Butter und Marmelade!
Ich bin 23 Uhr zur Osternacht in die Kirche nach Time gefahren. Der Gottesdienst wurde von Jugendlichen ausgestaltet und die Kirche war auch sehr gut von Jugendlichen besucht. Tanz, Pantomime, eine Fotoserie, eine Predigt, die ich nicht verstanden habe, Saxofonuntermalung, Abendmahl, Lieder...es war alles mögliche dabei; manches schön, anderes nicht so mein Ding. Am Eigenartigsten finde ich ja, dass eines der bekanntesten norwegischen Osterlieder ("Deg være ære") auf die Melodie von "Tochter Zion" gesungen wird. Als am Ende alle mit den angezündeten Kerzen vor die Kirche gegangen sind, um dort dieses Lied zu singen, haben wir den stürmischen Wind noch einmal zu spüren bekommen, sodass die Osternacht doch im Dunkeln endete;-)

Heute bin ich nun dran mit Arbeiten und auch sonst ist es hier nicht besonders österlich. Vor wenigen Stunden ist der Wohnwagen weggefahren und auch Siri und Ina sind schon wieder aufgebrochen. Das ist komisch, denn bei uns ist Ostern nunmal am Sonntag, während es hier irgendwie schon vorbei ist. Nichtsdestotrotz wünsche ich euch allen ein frohes Osterfest!

Freitag, 22. April 2011

Ostergrillung

Geir der Grillmeister
Gestern Abend haben wir auf der Veranda gegrillt. Ein Festmahl...Bockwürste, kleine Lammwürste gewürzt mit Knoblauch, sehr gutes Rotwein-Lamm und verschiedene Steaks, dazu Kartoffelsalat, Rucolasalat und noch einen Gemüsesalat mit Taco-artigen Crackern. Es hat alles hervorragend geschmeckt und nach einer kleinen Verdauungspause haben wir das Ganze noch mit einer Himbeertraum-Variation abgeschlossen.
Das ist schon ein bisschen komisch, wenn man bedenkt, dass  manche in der Karwoche gar kein Fleisch essen. Aber hier (zumindest bei Gudmestads) scheint schon Ostern zu sein; die mit Süßigkeiten gefüllten Pappeier liegen bereits auf dem Tisch und man kann sich daraus bedienen. Und Lämmer sind ja auch schon genug da...Da ich den Überblick verloren habe und mein Lämmer-Dokumentationsprojekt aufgegeben habe, folgt hier ein Album mit besonders tollen Lämmern, quer durch den Stall fotografiert:
Osterlämmer

Mittwoch, 20. April 2011

Sælandsskogen og ett annerledes møte

Gestern bin ich in meiner Mittagspause zu diesem Wanderweg gefahren, den ich noch genauer erkunden wollte. Der Weg führt zunächst an einem See, dem Taksdalsvatnet, entlang und setzt sich dann an einem Flusslauf fort. Überall liegen riesige moosbewachsene Steine herum und es geht durch einen Wald, den Sælandsskog. Zusammen mit den kahlen Bäumen hat der Moosbewuchs schon etwas Besonderes. Wie ich später herausgefunden habe, schließt sich der Weg zu einer Runde. Ich bin allerdings wegen meines nachmittäglichen Fütterungstermins eher umgedreht und habe auf dem Rückweg lustigerweise Frode und Anna-Bergitte mit ihren drei Kindern getroffen, besser gesagt ich bin nichtsahnend und in Gedanken an ihnen vorbei gelaufen und wurde gerade noch rechtzeitig aufgehalten.
Sælandsskog
Heute war bei den Schafen wieder volles Programm. Morgens waren schon zwei Einzelkinder da, später wurden nochmal zwei und vier (!) geboren. Für die vier reicht die Milch natürlich nicht, sodass die erstmal unterstützend die Flasche bekommen. Mit den Neuzugängen wurde es eng mit "Einzelappartements", sodass die älteren Lämmer wieder Ohrmarken bekamen (eine Aufgabe, bei der ich lieber das Lamm halte als die Zange zu bedienen) und unter großem Hin und Her in das Großraumabteil mit Kindergarten umzogen. Die alten Boxen wurden wieder frisch gemacht für die nächsten Bewohner, andere ganz abgebaut, die Begrenzung des großen Abteils umgesetzt, neue Holzspäne eingestreut usw. Nach der Mittagspause ging es mit anderen Schafen ähnlich weiter, abgerundet durch unseren nun alltäglichen Ausflug auf die Weide, wo wir den 29 Schafen Kraftfutter bringen.

Hier sind jetzt Osterferien (Gründonnerstag ist hier auch ein Feiertag), sodass ich heute keine Probe hatte. Stattdessen bin ich zu einer Veranstaltung in der Gemeinde in Lye gefahren. Unter dem Titel "Ett annerledes møte" ("Ein andersartiges Treffen") gab es ein bisschen Musik und ein Interview mit einer Kolumbianerin, die seit vier Jahren in Norwegen lebt. Wie werden Norweger von außen gesehen, was sind kulturelle Unterschiede, was typische Eigenschaften, was fällt schwer in der Anpassung? Das war ganz interessant. Der Höhepunkt war jedoch eine Ein-Mann-Darbietung der Passion und Auferstehung Jesu nach dem Johannesevangelium. Ein äußerst talentiertes Mitglied der Gemeinde sprach den Text (anscheinend wortwörtlich) sehr ausdrucksstark und unterlegte sparsam und wohlüberlegt mit Gestik und schauspielerischen Elementen. Das hat mir sehr gut gefallen. Dazu sind mir natürlich auch gleich die entsprechenden Nummern aus der Johannespassion eingefallen...

Montag, 18. April 2011

Frühling!

Auch hier scheint der Frühling nun endlich angekommen zu sein.
Ohne Schnee sieht das Gehöft viel besser aus, oder?
Geir und Annemarie beim Trabtraining.
Und den Schafen geht´s auf der Weide gut.
Und was macht man, um die Ankunft des Frühlings zu würdigen? Man fährt mit dem Rad nach Bryne und kauft sich Lakritzeis, was man dann auf der Veranda in der Sonne genüsslich verspeist!
Und einen Fahrradhelm, um zwischen all den Helm-tragenden Norwegern nicht mehr so aufzufallen. Hier gibt es viele sehr professionell aussehende Rennradfahrer, die immer wieder von hinten an einem vorbeizischen. Ganz zu schweigen von den oftmals riskanten Überholmanövern der motorbetriebenen Fahrzeuge. Nun steht größeren Touren nichts mehr im Wege - außer mein Durchhaltevermögen auf dem etwas zu kleinen Rad! Sollte das Wetter bis zum Wochenende tatsächlich so schön bleiben, werde ich mich mal an Langstrecken wagen.

Sonntag, 17. April 2011

Fertig

Oh oh, wenn es noch so ein paar Tage gibt wie den gestrigen, werde ich vielleicht doch noch ein motivierter Biochemiker. Ich hatte alleine "Dienst" und hier war viel zu viel los. Dass die Schafe Lämmer bekommen, ist ja in Ordnung. Aber gleichzeitig waren Siri und Ina zu Besuch und noch dazu parkt seit Freitagabend (wo die Osterferien angefangen haben) ein Wohnmobil vor unserer Tür. Die drei Bewohner sind Freunde von Ellen und Geir, gleichzeitig Besitzer von zwei Pferden des Stalls. Mehr weiß ich aber auch nicht. Sie benutzen unser Bad mit und ich sitze jedes Mal im Bett, wenn die klemmende Außentür geräuschvoll herangezogen wird...
Nun, diese fünf Personen sprangen und standen zusätzlich mit im Stall herum, Hauptsprache war plötzlich Norwegisch und ich habe alle paar Minuten mal einen englischen Brocken zugeworfen bekommen. Ich habe gefüttert, dem Schwächling Milch gegeben, ein gebärendes Schaf identifiziert, sechs Pferdeboxen sauber gemacht, kam dann dazu, als zu einem frisch geborenen Lamm ein älteres adoptiert wurde (ab jetzt habe ich den Überblick vollkommen verloren), habe mit geschraubt, Lämmer hin- und hergereicht und Türen auf- und zugehalten, um ein neues Großraumabteil für ältere Lämmer einzurichten (dieser Lärm!), zwischendurch Wassereimer verteilt und immer wieder aufgefüllt, nicht tragende Schafe mit nach draußen gelassen und auf eine Weide begleitet und halb drei gab´s endlich mal was zu essen.
Als ich um vier wenig motiviert und verschlafen wieder an die Arbeit ging, ist mir ein grober Fehler unterlaufen - ich habe ein neu geborenes Lamm übersehen und wie immer mit Füttern angefangen. Keine gute Idee, denn die alten Schafe sind so gierig auf die Silage, dass das Kleine zwischen ihnen schnell erdrückt werden kann. Außerdem war es das Einzige dieses Schafs und sollte deshalb ein Adoptiv-Geschwisterlamm bekommen. Mit den drängelnden Schafen reinstes Chaos, Ellen war natürlich ziemlich verärgert und ich noch unzufriedener mit dem ganzen Tag.

Und so musste ich heute erstmal weg. Ich bin zum Gottesdienst nach Lye geradelt und habe dort eine Taufe miterlebt. Eltern und Kind waren traditionell gekleidet, wie auch fast die gesamte Taufgesellschaft - das war für mich natürlich interessant zu sehen. Heute war ja Palmsonntag und in der Gemeinde hatten sie tatsächlich drei große Palmwedel aufgetrieben (sahen ein bisschen wie Bananenblätter aus), mit denen die Kinder zu "Hosianna, Davids sønn" wedeln konnten. Aber da es in dieser Gemeinde nicht nur drei Kinder gibt, wurden die restlichen Palmwedel durch Tannenzweige dargestellt! Palmsonntag auf Norwegisch...
Ich habe Frode und Anna-Bergitte wieder getroffen und wir sind erneut herzlich zu ihnen eingeladen worden. Vielleicht lässt sich unsere 21-Uhr-Schafstränkung mit Ellen verhandeln, mal schauen. Außerdem habe ich mich mit noch ein paar Norwegern unterhalten. Nach dem Gottesdienst habe ich noch eine Runde mit dem Fahrrad gedreht und dabei einen Wanderweg entdeckt, den ich mal testen muss, wenn auf dem Parkplatz nicht gerade 20 Autos stehen.  Als ich wieder da war, kam dann die Sonne raus...so ein Mist.

Freitag, 15. April 2011

Vivace

Gestern Abend bin ich mit unserer Nachbarin Hanne nach Klepp gefahren, um dort in einem Chor namens Vivace mitzusingen. Mit meiner bisherigen Erfahrung als Chorsängerin (acht Jahre Kurrende und ein paar Monate in einem winzigen Chor in Schweden) musste ich mich ziemlich ranhalten, denn der Chor ist ganz gut dabei. Meine Notenkenntnis hat mich glücklicherweise mal wieder gerettet und ich konnte den meisten Liedern recht zielsicher folgen; auf Englisch, Bokmål, Nynorsk und Italienisch...huch. Der Chor besteht aus ca. 30 Mitgliedern, die sich einmal pro Woche treffen und ein breites Repertoire bedienen, von klassischen Werken über Volkslieder bis hin zum Pop. Gestern waren z.B. Fever, Bridge Over Troubled Water, Wild Mountain Thyme, Signore delle cime, Gøta, På Bredden, ein norwegisches Gutenachtlied und ein irischer Segenswunsch dabei. Soweit ich das beurteilen kann, ist der Chor wirklich gut und holt musikalisch viel aus den Liedern heraus. So herrscht bei mir plötzlich verkehrte Welt: Ich, die ich immer über Choristen meckere und ihnen gegenüber eine generelle Abneigung hege, fühle mich plötzlich in einem Chor musikalisch besser aufgehoben als in einem Orchester! Unglaublich...
Nun, auch in dieser Probe gab es eine Kaffeepause (ja, hier wird abends mit Vorliebe eine Kaffeepause eingelegt) und da bin ich gleich wieder mit einigen Leuten ins Gespräch gekommen. Ich schlage mich so mit Schwedisch, Norwegisch, Englisch und Deutsch durch, aber es funktioniert erstaunlich gut. Gerade bei solchen Gelegenheiten kann ich meine Schwedischkenntnisse reaktivieren und freue mich, dass mir doch wieder einige Wörter einfallen, um den Leuten das mit der Biochemie, den Schafen und der Bratsche zu erläutern.

Aber zurück zu den Schafen, es ist viel los zurzeit! Der Schwächling kann unterdessen auf allen Vieren stehen, wenn man ihn nur passend hinstellt. Aber er wohnt immer noch in der Kiste unter der Rotlichtlampe, bekommt die Flasche und sieht nicht besonders gesund und kräftig aus.
Dann gab es heute Morgen die "Tonnenkinder"...mhm, kompliziert...ein Schaf hat vier Lämmer bekommen, wovon eins zur Adoption freigegeben wurde - an ein Schaf mit zwei Lämmern, von denen eins eingeschläfert werden musste. Letztes mochte die beiden Lämmer aber nicht und hat sie nicht trinken lassen, sodass Mutter und Kinder vorerst getrennt wurden. Damit die Kleinen keine Beziehung zu den neugierigen Tanten-Schafen aufbauen, die von den Seiten ins Gehege schnuppern, kamen sie in eine Tonne. Nach ein paar Stunden war die Mutter nett genug und sie konnten bei ihr bleiben.
Und das eingeschläferte Lamm hatte sein Herz außen! Es war ganz lebendig und sah auf den ersten Blick normal aus. Aber wenn man die Vorderfüße zur Seite genommen hat, sah man, wie dort das Herz einfach so aus dem Brustkorb heraus schlug! Beim Tierarzt muss das für ziemlich viel Aufsehen gesorgt haben, da noch nie zuvor gesehen. "Ektopia cordis" ist der Fachbegriff für Interessierte.

14.04.2011
15.04.2011

Mittwoch, 13. April 2011

Lämmer

Heute war sozusagen mein erster richtiger Arbeitstag. Früh ging es mit teils schlechten Nachrichten los - Ellen war nachts wieder auf den Beinen und hat zwei gesunden Lämmern, einem Schwächling und einem toten Lamm auf die Welt geholfen. Wahrscheinlich ist es gestorben, weil die Mutter schon seit Stunden gebären sollte, wohl aber hormonell bedingt nicht richtig gepresst hat...wie auch immer. Der Schwächling kam unter die Rotlichtlampe, damit er in der Wärme auf die Beine kommt und dann hoffentlich zu seiner Mutter zurückgesetzt werden kann. Zwischendurch hatten wir ihn mal draußen in der Sonne und haben mit ihm laufen geübt, aber er wollte gar nicht, knickte immer wieder ein und blieb ganz platt auf dem Boden liegen. Naja, wenigstens atmet er und trinkt ab und zu ein bisschen was.
Als ich gerade überlegte, ob ich meine dreistündige Mittagspause auf dem Fahrrad oder im Bett verbringen soll, ging es weiter. Zwei Schafe gleichzeitig, eins mit zwei, das andere mit drei Lämmern. Drumherum standen viele andere Schafe, die auch Interesse an den Lämmern zeigten, da muss man aufpassen. Dann das nächste mit einem großen Lamm. Dann wieder eins mit zwei Lämmern, total bescheuert gegen ein Gatter geboren (zu diesem Zeitpunkt war die Mittagspause zu Ende). Nach dem Füttern wieder zwei Lämmer. Und am Abend noch einmal drei Lämmer, wovon eins leider auch tot geboren wurde, da es mit dem Schwanz zuerst herauskam und deshalb die Nabelschnur zu zeitig getrennt wurde (normalerweise Vorderfüße zuerst, kurz danach der Kopf). Die beiden Geschwister sind auch Schwächlinge, müsste aber im Laufe der nächsten Stunden auf die Beine kommen.

Die Neuen von heute

Und was machen wir dabei? Im Falle einer normalen Geburt gar nichts, bis das Lamm da ist. Dann die Schnauze von Schleim befreien, sodass es atmen kann, evtl. noch den Rücken massieren. Für schwere Fälle gibt es Respirot, ein Medikament was nach Gabe ins Maul sehr schnell resorbiert wird und direkt auf das Atemzentrum im Gehirn wirkt. Dann fängt das Mutterschaf an, die Lämmer abzulecken und dabei interessant grummelnde Geräusche zu machen. Andere Schafe dürfen dabei gerne helfen, die Lämmer sollten aber nicht bei ihnen trinken. Wir bleiben bei den Lämmern, bis sie auf allen Vieren stehen und dann folgt meistens ein Umzug in eine der vorbereiteten Boxen - wobei es nicht immer Türen zwischen den Gehegen gibt, manchmal wird auch auf- und zugeschraubt oder erst aufgebaut (Akkuschrauber griffbereit). Die Mutter kommt hinterher, sobald die Lämmer dort sind. Bis die Nachgeburt da ist, kriegt die Mutter lauwarmes Wasser zu trinken und außerdem sollten die Lämmer dann langsam auch mal was trinken (wenn nicht: Zitze zeigen. Oder Schaf melken/Kuhmilch auftauen/Milchpulver anrühren und Flasche geben).
Das Problem ist, dass die Geburt sehr schnell gehen kann, locker innerhalb von zwei Stunden. Ellen schläft zurzeit keine Nacht durch und schaut mindestens einmal nach, ob im Stall alles in Ordnung ist. Wenn nicht, werden die Nächte schnell sehr kurz und ich fühl mich immer ganz schlecht, wenn ich früh frisch und ausgeschlafen in den Stall komme.

Märchenstunde mit Lea

Dienstag, 12. April 2011

Ein Welpe

heute ein Bild mit der Mutter

Montag, 11. April 2011

Kindergarten

...ist die Bezeichnung für ein abgegrenztes Abteil im Schafstall, in das nur Lämmer hinein können; die alten Schafe müssen draußen bleiben und so haben die Kleinen ihre Ruhe und können solche "Schlaforgien" veranstalten. Und wie ich beobachtet habe, passen da noch viel mehr rein!


Es gibt folgende Neuzugänge:

Das sind die zwei, die der Tierarzt am Donnerstag mit dem Haken geholt hat, ein schwarzes und ein braunes.
Da habe ich die Mutter wohl in einem ungünstigen Moment fotografiert... das Lamm kam in der Nacht zum Freitag.
Vom Sonntagmorgen: diese vier (zweimal zwei). Als ob man sie in einen Farbeimer getunkt hätte!
Und die derzeit jüngsten Lämmer, gestern Vormittag geboren.

Aber am jüngsten überhaupt ist dieser kleine Welpe. Gestern Nacht hat Foxi die Hündin zum ersten Mal nicht draußen im Zwinger, sondern in einem Raum im Keller geschlafen. Der eigentliche Stichtag war der 14. April, aber so war es natürlich perfektes Timing. Als wir heute Mittag nach ihr geschaut haben, haben wir gesehen, dass sie sich die ganze Zeit leckt und beschlossen, dass wir ihr da auch nicht weiterhelfen können. Eine halbe Stunde später wurde uns klar, dass der Nachwuchs zu diesem Zeitpunkt wohl schon da war.


Samstag, 9. April 2011

Stavanger

Heute war wieder mein freier Tag und nach nunmehr einem Monat auf dem Land habe ich einen Ausflug in die Stadt unternommen, ins 35 km entfernte Stavanger. Mit 126 000 Einwohner ist das die viertgrößte Stadt Norwegens (nach Oslo, Bergen und Trondheim). Von Bryne aus fährt jede Stunde ein Regionalzug dorthin. Diese Züge haben "bediente" und "unbediente" Wagen, wobei man nur mit einem validierten Ticket in den Wagen ohne Schaffner einsteigen darf. Aus dem Automat kommen allerdings nur nicht-validierte Tickets, sodass alle in den bedienten Wagen einsteigen und der andere frei bleibt. Das System habe ich (noch?) nicht verstanden.

Stavangers Zentrum ist überschaubar, die Stadt insgesamt aber sehr weitläufig. Stavanger ist schön am Meer gelegen und die zahlreichen gut erhaltenen Holzhäuser und die engen Kopfsteinpfalsterstraßen vermitteln ein spezielles Flair...klein, gemütlich und kontrastreich wo sich Burger King und 7-Eleven in den alten weißen Holzhäusern ansiedeln.

Ich habe mir die "Stavanger Domkirke" angeschaut, eine alte Steinkirche, die 1125 entstanden ist. Als ich danach durch die Straßen lief, hatte gerade eine Jugend-Blasmusikkapelle (oder wie hier üblich: ein Musikkorps) ihren Auftritt, das war recht unterhaltsam. Da ist mir aufgefallen, dass in Stavanger sehr viele Kinder unterwegs sind.

Als nächstes habe ich mir das norwegische Ölmuseum vorgenommen. Zu diesem Museum hatte ich viele lobende Worte gelesen und ich kann diese Lobe nur bestätigen. Egal, ob einen die Ölvorkommen in der Nordsee interessieren oder nicht - langweilig wird es hier auf keinen Fall. Es gibt viele kleinen und große Bohrinselmodelle, Taucherglocken, Rettungsboote, einen 3D-Film über Erdöl und Erdgas, Gesteinsproben, wirtschaftliche Einblicke, einen Tauchgang per 120°-Film, eine begehbare Bohrinsel en miniature, wo man so tun kann als würde man bohren und ROVs (remotely operated vehicles) steuern und noch viel mehr. Wusstet ihr, dass es eine Brücke zwischen Norwegen und England gibt?  Sie verbindet die beiden Seiten des Frigg-Gasfeldes, das sich Norweger und Briten geteilt haben. Mir sind noch viele interessante Dinge aufgefallen,  über die es sich nachzulesen lohnt.

Zum Schluss war ich noch in der Altstadt unterwegs - einfach wunderbar, da verweise ich lieber auf die restlichen Fotos:

Album: Stavanger

Freitag, 8. April 2011

Konzertmitschnitt

Viel Spaß! Man muss es ja nicht bis zum Schluss anschauen...

Donnerstag, 7. April 2011

Der kleine Prinz

...so haben wir ihn genannt, weil er anfangs so ein großes Abteil mit allen anderen Schafen zusammen hatte. Wenn diese vorne fraßen, thronte er weiter hinten im Stroh. Unterdessen ist er umgezogen, hat aber immer noch viel Platz und weiß diesen zu nutzen:



Weiterhin darf ich vorstellen:

 Das erste schwarze Schaf! Am Dienstag geboren.
Die beiden sind heute Nacht geboren - schöne Zeichnung, oder? So unterschiedlich können Zwillinge sein, man beachte auch die Größe.
Links der Neuzugang von gestern Abend, rechts das Adoptiv-Lamm, geboren am Montag. Es scheint sich auch bei seiner neuen Mutter wohl zu fühlen.
Die beiden kamen gestern Abend.
Die drei sind in der Nacht zum Dienstag gekommen (wir haben natürlich geschlafen).
Nachdem wir Dienstagabend vom Pferderennen wiederkamen, standen diese beiden Lämmer im Stall.






Und dann gibt es noch zwei ganz frische schwarze Lämmer, die der Tierarzt vor wenigen Stunden mit dem Haken geholt hat. Das Mutterschaf ist schon ziemlich alt und hatte eine Beckenverengung ("Ziegenbecken"), sodass Ellen sie nicht mit der Hand herausbekommen hat. Der Haken wird vorsichtig ins Auge eingehakt und beim Herausziehen des Lamms zur Ausrichtung des Kopfs benutzt. Klingt gruselig, hat aber wunderbar funktioniert.

Mit dem Rad war ich heute auch wieder unterwegs, immerhin knapp 30 km unter stürmischen Verhältnissen. Ich bin noch einmal zur Nordsee gefahren und habe mir dort einen Leuchtturm und einen alten Pfarrhof angeschaut. Dabei war ich ein Stück auf dem Nordsee-Radweg unterwegs - der fasziniert mich ja auch schon länger, er führt ja tatsächlich um die Nordsee herum und ist mit 6000 km der weltweit längste ausgeschilderte Radweg. Unter anderem musste ich dabei diese schaukelnde Hängebrücke überwinden. Bei dem starken Seitenwind, dem wackligen Geländer, der geringen Breite, dem "reißenden Gewässer" darunter und den Längsspalten im Boden war das mit dem Fahrrad schon eine größere Herausforderung.

Mittwoch, 6. April 2011

Flaschenkinder

Das stellt man sich immer so schön vor...ein Lamm mit der Flasche großzuziehen. Weil die Mutter so wenig Milch hatte, haben die drei zuletzt vorgestellten Lämmer am nächsten Tag tatsächlich die Flasche bekommen und mehr oder weniger gut getrunken. Wenn man dazu das hohe Blöken im Ohr hat, ist die Situation eher traurig als niedlich und man kann froh sein, wenn man Milchpulver und Quick-Start-Spritzen nicht braucht. Unterdessen gibt es wohl bei der Mutter wieder genügend, aber da die Lämmer nicht so klein bleiben und so wenig trinken werden, wurde heute eine Adoption durchgeführt. Eines der drei hat jetzt eine neue Mutter, die selbst gerade nur ein Lamm bekommen hat. Leider ging die Aktion vonstatten während ich bei der Probe war, denn das Vorgehen klang sehr spannend und die Probe war sehr langweilig...ich sollte vielleicht doch meine Präsenzzeit und meine Prioritäten nochmal überdenken? Zu allem Übel habe ich auch noch die Pferdekastration verpasst, während ich meine Nachschläge gespielt habe.

Montag, 4. April 2011

Konzert - Melsvatnet - Nachwuchs

Am vergangenen Wochenende hatten Lea und ich getrennt jeweils einen Tag frei. Ich habe meinen freien Tag ja zum Proben und Backen genutzt, sodass ich gestern vor dem Konzert volles Programm hatte. Aber man schafft es sogar alleine, Schafe zu füttern und alle 19 Pferdeboxen vor dem Mittagessen auszumisten. Ehe man sich wieder unter "normale Menschen" begeben kann, ist allerdings eine Dusche obligatorisch! Es riecht sehr schnell alles nach Schaf.

Unser Konzert - naja, es war offiziell eine Musikandacht - lief den Umständen entsprechend gut. Besonders viele Leute waren nicht da und besonders viel haben sie auch nicht geklatscht, aber es war schon ganz in Ordnung. Dank Lea habe ich Fotos und sogar ein Video, was hier aber erst erscheinend wird, wenn es denn irgendwann einmal hochgeladen ist. Schaut mal, die Bratschen sind schon ganz schön unterbesetzt!




Die nächsten Tage soll es regnen, sodass ich heute in meiner Mittagspause noch einmal eine Runde mit dem Rad gedreht habe. Morgen und übermorgen kann ich dann mit gutem Gewissen ins Bett gehen! Ich war bei einem ca. 10 km entfernten See, um den ein Wander- und Radweg führt. Hier ein paar Eindrücke:
Melsvatnet


Weiterhin möchte ich den neuen Nachwuchs vorstellen (mal sehen, wie lange ich das durchhalte):

Die zwei wurden am Samstag geholt, als ich bei der Probe war. Die Mutter mag das eine nicht und stößt es immer weg. Deshalb werden die beiden mit Parfüm besprüht, sodass sie geruchlich nicht mehr zu unterscheiden sind.

Das kam wohl auch irgendwann am Samstag...Lea meinte, dass es plötzlich zwischen all den anderen Schafen stand.





Das kam heute Nacht, als alle außer Ellen schliefen. Es ist das einzige Lamm dieses Mutterschafs und kann deshalb zusammen mit den anderen Schafen im Abteil bleiben, ohne gestohlen zu werden.




Und die drei kamen heute Mittag, als ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Zwei davon trinken nicht gut, sodass Ellen sie direkt ans Euter setzen musste. Leider stelle ich mich sehr blöd beim Festhalten des Mutterschafs an (die hat Kraft!) und bis ich die Technik nicht heraushabe, bin ich sicher keine große Hilfe.