Montag, 27. Juni 2011

Wiedersehen mit und in Umeå

Es war sehr eigenartig, nach zwei Jahren wieder nach Umeå zu kommen. Alles so vertraut...
Christina hat mich gleich sehr herzlich mit einer richtigen västerbottnischen Käsetorte empfangen und es war schön, sie nach der Zeit wieder zu sehen. Natürlich gab es gleich viele Geschichten aus dem Labor und aus dem Orchester auszutauschen. Wir sind am folgenden Tag ins Naturschutzgebiet Bjuröklubb etwa 100 km nördlich von Umeå gefahren, haben den Leuchtturm besichtigt und die Ostsee bewundert, sind dann durch die Gegend gewandert und haben uns natürlich zum Abschluss ein Eis gegönnt. Zwischen Rentierflechten, Moos und glatten rundgeschliffenen Steinen habe ich mich doch gleich wieder wie zu Hause gefühlt! Und auf dem Weg haben wir so niedliche kleine Ponys gesehen, Baby-Ponys sozusagen...
Bjuröklubb
stille und bewegte Wasser
schwedisches Mini-Pony
Heute hat mich mein Weg dann ins Zentrum geführt, um ein paar altbekannten Läden mal wieder einen Besuch abzustatten. Dass ich mich für die Zeit auf den Lofoten bei ICA mit "günstigen" schwedischen Lebensmitteln und lang vermissten Leckereien eingedeckt habe, ist selbstverständlich.
Mit Christina saß ich in der Sonne und wir haben schon wieder Eis gegessen, ehe ich dann mit einer iranischen Bekannten ein Picknick mit Fikabröd veranstaltet habe. Vollkommen satt habe ich mich dann noch mit David getroffen und wir sind zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern an den Nydalasee gefahren, um bei einer Tasse Kaffee zu erzählen. Das war total schön, es gab viel zu berichten und voller Schwedisch-Einsatz war gefragt; erfreulicherweise tauchten auch immer mehr Worte wieder in meinem Kopf auf. Unterdessen plantschten die Kinder im See (ja, der See auf dem wir Ski gefahren sind) und abends gab es dann "Musik am See" bei der Kyrkstuga (einem Häuschen der Kirche) - Sängerin, Pianist und Trompeter mit Titeln aus verschiedenen Musicals, viele Schweden´beim Kaffeetrinken, sehr entspannte Stimmung, Sonnenschein. Wunderbar, dass man sich nach zwei Jahren einfach so treffen kann und so einen schönen Abend miteinander verbringen kann!

die Kyrkstuga am Nydalasee

mit Christina
Heute Nacht um 3:42 geht es dann mit dem Zug über Kiruna wieder nach Norwegen...wenigstens ist´s nicht dunkel, wenn ich aufstehen muss.

Freitag, 24. Juni 2011

Mittsommer in Sundsvall

zu Mittsommer wird geflaggt!
Von Trondheim bin ich mit dem Zug nach Sundsvall gefahren, bin durch eine ausgestorbene Stadt gelaufen und kam gerade auf em Berg an, als die offiziellen Mittsommer-Feierlichkeiten vorbei waren. Ich frage mich ernsthaft, warum diese mittags stattfinden, wo es doch dann auch im tiefsten Winter hell wäre. So konnte mir Lisa nur von den heftigen Regenschauern berichten, die das Schmücken der Mittsommerstånga begleitet hatten, von schlammbespritzten weißen Kleidern und von Blumenkränzen auf den Regenjackenkapuzen der Kinder. Plözlich war jedenfalls tolles Wetter und wir sind mit Lisas Eltern (auch gerade zu Besuch bei ihr) und noch einer Freundin in eine richtige schwedische Sommerhütte 20 min außerhalb der Stadt gefahren, eigentlich die Hütte ihrer bereuenden Lehrerin an der Schule, wo sie während der letzten 10 Monate unterrichtet hatte. Unter den Heizstrahlern ließ es sich wunderbar auf der Terrase sitzen, während das Wetter weiter seine Kapriolen trieb, wir haben herrliche Kanelbullar genascht, in den Regenpausen haben Kubb gespielt, dabei den halben Rasen umgegraben, abends wurde reichlich gegrillt und ich kam mir vor als hätte ich Urlaub im Urlaub. Am nächsten Tag ging es ähnlich weiter, wobei zu aller Krönung am Nachmittag auch noch Lisas Betreuerin mit einer riesigen Mittsommertorte vorbeikam, die unglaublich lecker war. Biskuit, Kokosmasse, Sahne und Erdbeeren, überall schwedische Flaggen und nette Leute und ehe ich mich´s versah, saß ich auch schon mit einem Proviantpaket im Bus nach Umeå!
mit Lisa
die tolle Torte

Donnerstag, 23. Juni 2011

Trondheim

Trondheim

Das ist ein Fahrrad-Lift - Anschub via Ferse
Trondheim, die drittgrößte Stadt Norwegens, ist ziemlich klein. Hier habe ich bei Mali Couchsurfing betrieben, also diesmal tatsächlich bei einer Norwegerin, fortgeschrittene Doktorandin in Biotechnologie und begeisterte Radfahrerin. Noch am Abend meiner Ankunft habe ich eine persönliche Stadtrundführung bekommen und als wir danach in einer Kneipe saßen, gab es viele schöne Reisegeschichten auszutauschen. Wir sprachen auch über einen besonderen norwegischen Käse, den ich sehr mag und Mali hat gleich zwei verschiedene Sorten gekauft, sodass ich zum Frühstück probieren konnte;-) Ich bekam den Schlüssel zur Wohnung und konnte es damit am Vormittag ruhig angehen lassen. Dann bin ich über Trondheims Uni zur Festung Kristiansten gelaufen, vorbei an dem weltweit ersten Fahrradlift zu den bunten Häuschen in Bakklandet, alles sehr gemütlich und nicht überlaufen (bis auf einen Schwung frei laufender Hurtigruten-Passagiere). In einer alten Werft gibt es nun gemütliche Cafés und Kneipen; ich bin aber mit dem Bus aus der Stadt heraus gefahren, um auf einem Küsten-Wanderweg wieder hereinzulaufen. Die Höhepunkte auf dem Weg, neben immer wieder schönen Ausblicken auf den Trondheimsfjord und die umgebenden Hügel: Waffeln mit Sauerrahm und Erdbeermarmeade sowie Kakao in einem von Mali empfohlenen Café auf dem Weg. Und ein Wikingermarkt. Auf Letzterem war nicht überwältigend viel los und als ich den Rettungswagen und einen im Gras liegenden Wikinger sah, habe ich beschlossen, dass ich mir den Eintritt sparen kann.

Küstenwanderung

Ich bin im Stechschritt zurück ins Zentrum gelaufen, um rechtzeitig zur abendlichen Musikandacht in die Nidaros-Kathedrale zu kommen.Trondheim war auf jeden Fall mal ein bedeutendes religiöses Zentrum und die große Kathedrale ist sehr beeindruckend in diesem kleinen Städtchen. Als ich vor der prachtvollen Fassade saß und mich gerade über die Geschichte informieren wollte, kam ein Radfahrer und entschuldigte sich, dass er meine Sicht kurz blockieren müsste. Das Rad sah nach einem Reiserad aus und wir kamen schnell ins Gespräch - Roy ist Israeli und momentan in Norwegen unterwegs, auch ein Couchsurfer, seine Gastgeberin würde gleich in einer anderen Kirche im Chor singen...ich war schnell dabei und es stellte sch heraus, dass mich ein Jude zu einem christlichen Gottesdienst eingeladen hatte - was kann es Besseres geben? Es war eine Art Obdachlosengottesdienst und ´danach gab es wieder Waffeln und auch Suppe und Getränke (ich bin ja auch ein bisschen odachlos momentan), ehe der Chor seine öffentliche Probe für den kommenden Auftritt bei einem Jazzfestival in Molde veranstaltete. Solche Begegnungen beeindrucken mich einfach nur.
Nidaros-Kathedrale

Mittwoch, 22. Juni 2011

Dovrebanen

An meinem dritten Interrail-Tag ging es mit dem Zug von Oslo nach Trondheim. Die siebenstuendige Fahrt fuehrte durch wunderschoene Landschaft und langsam komme ich ins Zweifeln, ob es in Norwegen ueberhaupt etwas anderes als wunderschoene Landschaft gibt. Wieder war das Wetter herrlich, im Gudbrandsdal leuchteten die frischen Wiesen nur so vor den maechtigen Bergen, kleine verstreute Bauernhoefe lagen hier und da an den Haengen, beeindruckend grosse Fluesse und Seen und an allem vorbei kletterte der Zug bis auf 1055 m Hoehe, wo grosse Flechtenteppiche zu sehen waren, weite Flaechen, wo die schoene Jahreszeit gerade erst begonnen hat. Manchmal komme ich mir vor wie im Bilderbuch...





Uebrigens: ich mag die norwegischen Bibliotheken, in denen man generell kostenfrei das Internet benutzen kann! In Trondheim auch noch in aller Ruhe und mit bester Ausstattung.

Und, weil ich ja immer nur von Sehenswuerdigkeiten und Landschaft schreibe: ich erlebe zurzeit nur wenige kulinarische Hoehepunkte. Nach 3 Monaten Muskelaufbau auf der Farm mache ich jetzt eine Diaet, naemlich eine Dosenfisch-Diaet. Makrele in Tomatensosse und Flatbrød (Flachbrot) haben sich als bezahlbarer Idealproviant herausgestellt...und zum Fruehstueck hab ich immer mein Muesli und Obst dabei. Eine Weile lang halt ich das aus;-)

Dienstag, 21. Juni 2011

Oslo

Die Hauptstadt Norwegens hat sich mir von ihrer besten Seite gezeigt. Vielleicht liegt es daran, dass ich bisher nicht viel Gutes ueber Oslo gehoert habe und meine Erwartungen gleich Null waren...jedenfalls konnte ich mich selbst vom Gegenteil ueberzeugen!
Gleich nach meiner Ankunft war ich auf der Oper unterwegs (man faellt fast darueber, wenn man den Bahnhof verlaesst) Das ist schon ein spezielles Gebaeude: das blendende Weiss, die teilweise im Himmel endenden Schraegen, Spiegelung der Nordsee im Glas und natuerlich die Moeglichkeit, ueberall herumzulaufen. Es war schon recht spaet und ein bisschen nieselig, sodass ich ganz allein auf der weissen Weite war. Schoen!
Oper in Oslo

Dann bin ich mit Strassenbahn und T-Bahn (einer langsamen U- und S-Bahn) in den Nordwesten der Stadt gefahren, um zu meiner Couchsurfing-Gastgeberin Lorelou zu kommen. Lorelou ist Franzoesin, hat Indonesisch und Jura studiert und arbeitet fuer den norwegischen Regenwaldverbund. Sie hat eine herrliche kleine Wohnung mit Blick ueber Oslo, die umliegenden Huegel und das Meer und ich habe mich gleich total wohl gefuehlt.
Am folgenden Tag ging es mit der T-Bahn weiter nach oben, auf der Jagd nach einem noch tolleren Blick...kein Wunder, dass das auf ca. 450 m Hoehe gelingt! Ich wollte en bisschen wandern, bin aber wieder an den intuitiven norwegischen Ausschilderungen gescheitert, bin letztendlich eine Bobbahn heruntergelaufen, habe so die beruehmte Holmenkollen-Skisprungsschanze verpasst und gluecklicherweise ueberhaupt zurueckgefunden;-) In Norwegen niemals ohne Karte wandern gehen! Aber dieses Gebiet, die "Nordmarka" ist wirklich herrlich und allein dort koennte ich schon mehrere Tage verbringen.
Nordmarka: Blick auf Oslo
Im Zentrum dann ein Eis vorm Nationaltheater, Touristenschritte zu Parlament und Kathedrale, Nachfassen von Reiseliteratur, weiter zur Festung Åkershus, wo es sich im sonnigen Gras neben alten Mauern und mit Blick aufs Meer ganz wunderbar aushalten laesst!
ein faszinierender Brunnen
Festung Åkershus
...im Kontrast zum Rathaus
Parlament
Hauptbahnhof
Als ich zurueckkam, stand das Essen schon fast auf dem Tisch. Wir haben es uns im Garten gemuetlich gemacht, Fischpfanne, zum Nachtisch frisch gebackenen Apfelkuchen, nette Gespaeche, Couchsurfing ist einfach super!
so lässt es sich leben...
mit Lorelou
Fuer den naechsten Tag bekomme ich sogar Kuchen als Wegzehrung...was will eine Judith mehr? Ich besuche das norwegische Filmmuseum, laufe in den Stadtteil Gruenerløkka, weiter durch den botanischen Garten (ueberhaupt gibt es unzaehlige Parks und Sitzgelegenheiten in Oslo) und durch Grønland - dort sieht man keine Norweger mehr, dafuer Doenerladen an Doenerladen, eine Moschee, dunkle Haut, Schleier, wuseliges Treiben auf der Strasse, Obstverkaeufer, Stichflammen in Restaurantkuechen...Wenig spaeter treffe ich Lorelou, wir essen Eis und liegen im Schlosspark im Gras. Nach der Verabschiedung geht es fuer die dritte Nacht ins Hostel, aber ich nutze den laengsten Tag des Jahres voll aus, laufe in einem ungewollt riesigen Bogen zum Vigeland-Park und sehe mir in der Abendsonne die Skulpturen des norwegischen Bildhauers an.
Abendstimmung im Vigelandspark

eine von vielen Skulpturen

Die Nacht im Hostel...nun ja, ein Hoch auf die Schnarcher, gleich 2 meiner 3 Mitbewohner. Noch dazu hatte der eine sein Kopfkissen anscheinend auch noch mit einer Plastiktuete bezogen, immer dieses Geraschel...Ohropax geht ja leider nicht, wenn ich frueh meinen Wecker hoeren will.

Samstag, 18. Juni 2011

Flåmsbana

Am Samstag habe ich mich zum ersten Mal auf dieser Reise in den Zug gesetzt und bin von Bergen ins 866 m hoch gelegene Myrdal gefahren, um dort (wie viele andere auch) in die Flåmsbana umzusteigen und nach einer Stunde Talfahrt wieder auf Hoehe des Meeresspiegels anzukommen. Die Ausblicke dabei sind natuerlich wunderbar, Fotostopp an einem Wasserfall inklusive (mit zweifelhafter Musik- und Tanzuntermalung - ich denke, den Asiaten hat's gefallen). Das Ganze ist ja wirklich schoen, aber Hilfe, was machen all die Leute hier? Sonst fahren die doch auch nicht Zug! Und wohin sind sie dann ploetzlich alle verschwunden, als ich durch das vertraeumte Flåm gewandert bin, im Hinterland zu einem Wasserfall hinaufgestiegen bin und die Aussicht auf den Aurlandsfjord genossen habe? Auch in der Kirche von Flåm war ich alleine, ehe ich noch einmal ein paar Serpentinen gegangen bin, um auf die umliegenden Berge zu sehen.
Blick aus der Flåmsbana
Flåm und Aurlandsfjord
Schafsdusche!
Flåm - Talblick
Kirche in Flåm
Eigentlich sollte es mit der Flåmsbana wieder zurueck nach oben gehen, aber bei der naechsten Station hatte es wenige Tage zuvor gebrannt. Ein Tunnel, dann auch der Zug, gluecklicherweise keine Verletzten, aber die Verbindung zwischen Bergen und Oslo war damit komplett lahm gelegt, zumal man dort nicht mit Auto oder Bus hinkommt. Mit dem grossraeumigen Schienenersatzverkehr habe ich den wohl spektakulaersten Teil der Strecke, den Aufstieg bis auf ueber 1200 Meter, verpasst...aber der Bus war auch nicht uebel. Wahnsinnig schmale Strassen, lange enge Tunnel, Schneereste direkt neben uns, fruehlingsfrisches Birkengruen, unzaehlige Wasserfaelle, Schafe mitten auf der Strasse und schneebedeckte Berge hinter malerischen Seen...ich beschwere mich nicht, zumal ich nach dem Umsteigen in einen Minibus sogar bis vor die Tuer meines Hostels in Geilo gefahren wurde! Trotz Schlafsaal-Buchung habe ich hier meine eigene Huette bekommen und es mir mit Ingwertee aus der schwedischen Klapptasse gemuetlich gemacht, waehrend draussen der Regen einsetzte.
Hoch hinaus im Bus
fantastische Lanschaft
Es laesst sich nicht leugnen, dass Geilo ein Wintersport-Ort ist. Im Nieselregen des naechsten Tages war alles etwas trist. ich bin ein Stueck auf einer Loipe gelaufen, habe mich ueber sehr intuitive norwegische Ausschilderung geaergert und bin mit nassen Schuhen und Hosen zurueckgekehrt, um mittags in den Zug nach Oslo zu steigen - extra Umsteigen, eine Stunde Warten auf Reisende im Schienenersatzverkehr, dann eine schoene und komfortable Fahrt in die Hauptstadt.

Freitag, 17. Juni 2011

Bergen

Mit dem Kuestenbus bin ich am Mittwoch nach Bergen gefahren, bei schoenem Sonnenschein vorbei an leuchtend gruenen Wiesen mit dem ein oder anderen Schaf, an bunten mitten in den Bergen verstreuten Haeuschen, durch lange Tunnel und zweimal mit der Faehre uebers Wasser, weil die Hauptverkehrsstrasse nach Norden nunmal da lang fuehrt. Natuerlich gab's auf dem Sonnendeck der Faehre Geburtstagskuchen;-)
Norwegisches Küstenland
Mein Geburtstagskuchen - und Osama war auch wieder dabei (das taiwanesische Klappmesser mit dem rosa Plastikgriff)
In der Sonne ist Bergen eine total schoene Stadt - ja, vor allem Stadt, mit richtig hohen Steinhaeusern und Ampelkreuzungen. Bryggen, das Viertel mit niedlichen Handelshaeusern aus Hansezeiten, ist wirklich schoen und versetzt einen in eine andere Zeit. In der Fassade der Domkirche steckt eine Kanonenkugel aus irgendeiner Schlacht, einfach vom Hafen heruebergeflogen. Der Fischmarkt ist ueberteuert (also noch mehr als andere ueberteuerte Dinge in Norwegen) und existiert im Winter gar nicht. Es gibt Plastiktrolle, hangestrickte Wollpullover, viele Asiaten, Fachgeschaefte fuer Regenschirme und fuer Gummistiefel.
Bergen
Abends habe ich mich mit Noémi getroffen, bei der ich als Couchsurfer die naechste Nacht verbringen wuerde - was fuer eine wunderschoene kleine Wohnung sie hat! Und erst der Blick von ihrem Balkon, direkt ueber das Zentrum von Bergen. Sie ist Franzoesin, lebt aber schon seit 4 Jahren in Bergen, erst Uni, nun Arbeit als Uebersetzerin, Dolmetscherin und Kindergaertnerin. Wir haben zusammen gekocht, auf dem sonnigen Balkon Tee getrunken und Milka gegessen und sind noch ein ganzes Stueck durch Bergen gelaufen. Gluecklicherweis musste sie am naechsten Tag nicht arbeiten, sodass wir (das Bergen-untypische Sonnenwetter ausnutzend) eine Wanderung unternehmen konnten.

Blick von Mt. Ulriken auf Bergen
Bergener Berge
mit Noémi
Mit der Seilbahn ging es auf den 642 m hohen Ulriken und von dort aus oberhalb der Baumgrenze bis zu einem anderen Bergener Berg, Fløyen. Der Weg war wie immer anspruchsvoll, mit der ein oder anderen Kletterpartie und ich spuere meine Beine heute! Dafuer war die Sicht ueber die Stadt und die umliegenden Berg- und Fjordlandschaften super und es hat Spass gemacht und. V.a. war es toll, mit jemandem zusammen wandern zu koennen, zumal wir uns sehr gut verstanden haben und es immer was zu erzaehlen gab. Ein Eis zum Abschluss, noch ein Nickerchen auf der beruehmten Couch und dann waren wir sogar noch im Konzert des "Bergen Unge Kammerorkester", ein besseres Amateurorchester. Griegs Holberg-Suite war in diesem Rahmen natuerlich sehr passend. Ich bin abends zu meiner naechsten Couchsurfing-Gastgeberin gefahren, Alice aus Hong Kong, die ein Jahr in Bergen studiert hat und zum Abschluss noch auf dem Fischmarkt arbeitet und chinesische Touristen bedient. Sie ist auch total lieb und unkompliziert.

Griegs Komponierhütte
Heute war ich dann alleine unterwegs, habe Edvard Griegs Haus besucht (Kuriosum: zum 60. Geburtstag wurde ihm ein spezialangefertigter Steinway geschenkt, mit extra kurzen Fuessen, weil Grieg nur 1,52 m gross war). Hm...es regnet heute schon den ganzen Tag, also blieb ich lieber drinnen und habe noch das hanseatische Museum besichtigt, auch sehr schoen in Szene gesetzt. Und sonst...im Café sitzen, durch Pfuetzen waten, Bahnhof besuchen...ich bin gespannt auf die kommenden Zugreisen. Es gibt Probleme mit meiner Strecke morgen und ich werde wohl eher mit dem Bus durch die Gegen gekarrt werden. Komisch, da hat Norwegen schon nur 5 grosse Zugstrecken und trotzdem klappt nichts. Ich werde sehen...

Dienstag, 14. Juni 2011

Es geht weiter...

Nun bin ich zum letzten Mal auf dem Quad zur Raubtierfütterung gedüst und habe mich von meinen Freunden auf der Weide verabschiedet. Heute waren auch alle besonders nett und haben extra noch ein bisschen länger an mir herumgeknabbert!
Verabschiedet habe ich mich auch von Frode und Anna Bergitte, bei denen ich heute Abend noch einmal spontan zum Abendessen eingeladen war. Wir haben gleich noch Geige geübt, damit das Vorspiel von Åsne morgen was wird!

Was bleibt mir zu sagen...der Aufenthalt hier hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es hat Spaß gemacht! Auch wenn ich während der Lammzeit beim Aufwachen nachts in jeder Ecke meines Zimmers Lämmer gesehen habe, auch wenn ich wochenlang Muskelkater in den Händen hatte und meine Oberschenkel mit blauen Flecken übersät waren - niemals würde ich die drei Monate hier missen wollen. Es hat so gut getan, körperlich zu arbeiten und das Gehirn mal eine Weile aufs Abstellgleis schieben zu können, zu sehen was fertig geworden ist, an der frischen Luft zu sein, mit den Schafen auf der Weide herumzuliegen, neue Einblicke zu gewinnen und so viel von Norwegen mitzubekommen. Seien es die zahlreichen leckeren Mahlzeiten, die mir hier vorgesetzt worden, die musikalischen Aktionen, Outdoor-Aktivitäten in beeindruckender Landschaft oder die vielen netten Menschen, die ich hier kennen gelernt habe...es hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich habe wieder Motivation für kommende große Taten getankt!

Kommende große Taten? Nein nein, nicht so schnell, ich muss erst nochmal Urlaub machen. Es wäre absolut unverantwortlich, Norwegen im Juni zu verlassen ohne die Mitternachtssonne gesehen zu haben! Während der kommenden drei Wochen werde ich das Land als Interrailer, Couchsurfer und Backpacker unsicher machen, bevor ich am 6. Juli den Rest meines Gepäcks von der Farm abhole und nach Deutschland fahre. Die geplante Route gibt´s unten und ich werde sehen, wann und wie sich Berichte bewerkstelligen lassen - was nicht gleich geht, wird später auf jeden Fall nachgeholt und Fotos würde ich sowieso niemals vorenthalten. Ich freue mich weiterhin über virtuelle Begleitung!

Montag, 13. Juni 2011

Finale Schafsortierung

An meinem freien Tag gestern war ich noch einmal mit dem Rad und zu Fuß unterwegs, um einen Wanderweg in einem eher kargen Berggebiet auszukundschaften. Es ging erst wieder kilometerlang bergauf, aber die Mühen wurden mit einem tollen Blick belohnt. Leider war der Weg dann plötzlich weg und ich musste quer über eine Ziegenweide wandern, um meine Runde zu vollenden. Norwegische Ausschilderung ist für deutsche Verhältnisse manchmal etwas minimalistisch und ein "Weg" kann auch oft größere sportliche Betätigung fordern. Aber so habe ich wenigstens mal die Ziegen kennen gelernt.


wieder mal zu Hause
Heute gab es noch einmal einen größeren Arbeitseinsatz auf dem Hof, weil alle Schafe (außer den 100, die schon weiter weg sind) Medizin bekommen haben und noch einmal neu sortiert wurden. Da war auf jeden Fall wieder was los. Eine Gruppe von Schafen ist jetzt übergangsweise auf einer extra Weide und kommt dann in 10 Tagen in die Berge (Sirdal).
Und ich habe eine Trophäe! Das Geschwisterlamm meines gierigsten Flaschenkindes hat heute sein linkes Hörnchen verloren, vielleicht ist´s irgendwo dagegen gerannt?