Altes braunes plattgelegenes Gras abzufackeln macht Spaß! Das haben wir heute mit den schwer zugänglichen Rändern der Weide hinterm Haus gemacht - praktisch alles, was nicht von Schafen abgegrast wird. Je nach Feuchtigkeit ging´s besser oder schlechter voran und ich musste meinem Feuerchen am Bach schon ziemlich gut zureden und es mit auftoupiertem trockenen Gras locken. Aber wir waren erfolgreich und haben nichts Unvorhergesehenes abgebrannt. Hätten wir´s eher gewusst, wären ein paar Marshmallows nicht fehl am Platz gewesen.
Außerdem bin ich heute mit den Pferden unterwegs gewesen. Annemarie (die Mitarbeiterin von Geir) hat gefragt, ob ich mit ihr im Trabwagen fahren will und so sind wir bei schönstem Sonnenschein über eine Stunde durch die Gegend kutschiert. Ich durfte den größten Teil der Zeit steuern und habe den ziemlich breiten Wagen in den Kurven mit mehr Glück als Verstand an Steinen oder Gräben vorbeimanövriert. Ich muss aber einräumen, dass das Pferd heute seinen Trott-Tag war (da bekommt Alltagstrott eine ganz andere Bedeutung) und Annemarie mir nur auf kurzen Strecken den Trab vorgeführt hat, eine schwungvolle Angelegenheit!
Zur Probe war ich heute auch wieder. Wir haben am kommenden Sonntag ein Konzert in der Kirche in Bryne und nun versucht man natürlich zu retten, was noch zu retten ist...armer Mendelssohn.
Die Zebrafischdompteuse verlässt das Aquarium und begibt sich in den norwegischen Schafstall. Begleitet mich doch während der kommenden drei Monate, die zum Einhalten anhalten und mich durchatmen und außer Atem kommen lassen werden!
Mittwoch, 30. März 2011
Dienstag, 29. März 2011
Getier
Nachdem Schafe und Hühner vorgestellt sind, sollen auch einmal ein paar Pferde Beachtung finden:
| Sturmfrisur |
| voller Durchblick? |
| freier Auslauf hinterm Haus |
| Geir und Lea bei Reitvorbereitungen |
Geir ist sogenannter "Trabtrainer" - keines der Pferde im Stall gehört ihm, er pflegt und trainiert sie aber für die Rennen. Und da stehen wohl Pferde im Stall, die mehr wert sind als Ellen und Geir im Jahr verdienen. Während Lea als erfahrene Reiterin schon mehrmals ausgeritten ist, habe ich doch etwas Respekt vor diesen Tieren. Und ich bezweifle ernsthaft, dass mir meine Pony-Reit-Erfahrungen von vor 18 Jahren helfen würden, mich auf einem Trabrennpferd zu halten. Vielleicht lerne ich lieber Traktorfahren.
Außerdem gibt es zwei erstaunlich gut erzogene Hunde und in etwa zwei Wochen sogar Hundenachwuchs.
Und Katzen sind natürlich auch da - die 2,5 kg schwere Püschi und der 9 kg schwere Hermann.
Sonntag, 27. März 2011
Essen in Norwegen
Da mich der Schneeregen und das trübe Wetter heute nicht nach draußen gezogen haben, gibt es keine neuen Erlebnisse. Dafür aber ein Einblick in die Esskultur auf einer Farm in Fosse bei Bryne. Außer sonntags wird hier abends "Mittag" (middag) gegessen; und zwar neben dem hochgelobten "Råmelkspudding" nach bisherigen Erfahrungen das:
- Lammbraten, Kartoffeln, Möhren, helle Soße
- Eintopf aus Würstchen, Kartoffel und Möhren
- Frikadellen mit Kartoffeln
- Omelett mit Speck und Lauch (aus 15 Eiern!)
- Hähnchenfilet mit Reis
- Eintopf aus Reis und Gehacktem
- Rentierbraten mit Preiselbeeren, Kartoffeln, Pilzen und Brokkoli
- Große Hackfleischbälle in dunkler Soße; mit Kartoffeln und Kraut
- gebackener Lachs und Kartoffeln
- Eierkuchen mit Speck und Blaubeeren (aus 10 Eiern)
- Pizza
- Bockwurststücke in dunkler Soße; mit Kartoffeln, Möhren und Kraut
Samstag, 26. März 2011
Radtour
Mit besten Grüßen an Steffi hier erstmal meine Arbeitsuniform in ihrer ganzer Pracht! Ja, wir haben das mutigste der drei Lämmer aus dem Stall geklaut und es in die Geheimnisse der Welt vor dem Stall eingeführt: frische Luft, Helligkeit, kein ständiges Geblöke... Es war trotzdem sehr erleichtert, wieder zu seiner Mutter zurückzukommen.
Gestern Abend waren Lea und ich bei Frode, dem Pianisten aus der Gemeinde in Lye eingeladen. Er hatte mir letzte Woche eine nette Mail geschrieben, beachtlicherweise sogar auf Deutsch. Und so haben wir gleich seine Frau Anna Bergitte und die drei Kinder - Sunnøve (8), Åsne (7) und Magne (5) - kennen gelernt. Die waren zwar alle schon im Schlafanzug, aber sehr neugierig und offen. So habe wir sogar noch ein norwegisches Volkslied auf der Geige vorgespielt bekommen! Nach dem Abschied ins Bett haben wir zusammen Abendbrot gemacht ("We´re such bad hosts - thank you for cooking for us!"), gemütlich gegessen, erzählt und gespielt. Das war ein schöner Abend und hoffentlich sieht man sich bald mal wieder!
An meinem heutigen freien Tag war so schönes Wetter, dass ich einfach mit dem Fahrrad heraus musste. Ich bin in die Berge gefahren und habe mir zunächst die "Dichterstube" des norwegischen Autors Arne Garborg angeschaut, nur von außen. Der Feldweg dahinter führte zu einem sehr schönen See. Mit dem Rad habe ich mich auf die Suche nach einem Wanderweg gemacht, den wir letzte Woche mit Ellen vom Auto aus gesehen hatten. Leider habe ich ihn nicht gefunden, bin aber immer noch ein Stückchen weiter in die Berge gefahren, bis ich letztendlich versehentlich auf dem höchsten Punkt angekommen war. Während ich da auf einer Weide saß und meinen Apfel aß, hielt ein Auto praktisch direkt neben mir. Nach einer Weile stieg ein alter Mann aus und wir kamen ins Gespräch. Nach wenigen Worten fragte er mich, ob ich aus Dänemark komme und als er erfuhr, dass ich Deutsche bin, wechselte er sofort ins Deutsche. Das sei seine Lieblingssprache und er habe sie im 2. Weltkrieg während der deutschen Besatzung in Kirkenes gelernt (Kirkenes liegt sehr weit im Norden am östlichen Ende Norwegens, damit sogar östlicher als Istanbul). Auf die Deutschen, die damals mit in seinem Haus lebten, war er sehr gut zu sprechen. Der sportlich gekleidete 87-jährige Norweger war mit seiner 85-jährigen Frau im Auto unterwegs und genau an dieser Stelle machen sie immer ihre Kaffeepause, wovon auch eine interessanter Holztasse in seiner Hand zeugte. Zum Abschied winkten mir beide noch einmal zu. Sehr erfreut über diese Begegnung bin wieder ins Tal gerollt und habe meine 40-km-Runde beendet.
Gestern Abend waren Lea und ich bei Frode, dem Pianisten aus der Gemeinde in Lye eingeladen. Er hatte mir letzte Woche eine nette Mail geschrieben, beachtlicherweise sogar auf Deutsch. Und so haben wir gleich seine Frau Anna Bergitte und die drei Kinder - Sunnøve (8), Åsne (7) und Magne (5) - kennen gelernt. Die waren zwar alle schon im Schlafanzug, aber sehr neugierig und offen. So habe wir sogar noch ein norwegisches Volkslied auf der Geige vorgespielt bekommen! Nach dem Abschied ins Bett haben wir zusammen Abendbrot gemacht ("We´re such bad hosts - thank you for cooking for us!"), gemütlich gegessen, erzählt und gespielt. Das war ein schöner Abend und hoffentlich sieht man sich bald mal wieder!
An meinem heutigen freien Tag war so schönes Wetter, dass ich einfach mit dem Fahrrad heraus musste. Ich bin in die Berge gefahren und habe mir zunächst die "Dichterstube" des norwegischen Autors Arne Garborg angeschaut, nur von außen. Der Feldweg dahinter führte zu einem sehr schönen See. Mit dem Rad habe ich mich auf die Suche nach einem Wanderweg gemacht, den wir letzte Woche mit Ellen vom Auto aus gesehen hatten. Leider habe ich ihn nicht gefunden, bin aber immer noch ein Stückchen weiter in die Berge gefahren, bis ich letztendlich versehentlich auf dem höchsten Punkt angekommen war. Während ich da auf einer Weide saß und meinen Apfel aß, hielt ein Auto praktisch direkt neben mir. Nach einer Weile stieg ein alter Mann aus und wir kamen ins Gespräch. Nach wenigen Worten fragte er mich, ob ich aus Dänemark komme und als er erfuhr, dass ich Deutsche bin, wechselte er sofort ins Deutsche. Das sei seine Lieblingssprache und er habe sie im 2. Weltkrieg während der deutschen Besatzung in Kirkenes gelernt (Kirkenes liegt sehr weit im Norden am östlichen Ende Norwegens, damit sogar östlicher als Istanbul). Auf die Deutschen, die damals mit in seinem Haus lebten, war er sehr gut zu sprechen. Der sportlich gekleidete 87-jährige Norweger war mit seiner 85-jährigen Frau im Auto unterwegs und genau an dieser Stelle machen sie immer ihre Kaffeepause, wovon auch eine interessanter Holztasse in seiner Hand zeugte. Zum Abschied winkten mir beide noch einmal zu. Sehr erfreut über diese Begegnung bin wieder ins Tal gerollt und habe meine 40-km-Runde beendet.
![]() |
| Radtour Undheim - Ålgård |
Freitag, 25. März 2011
Donnerstag, 24. März 2011
Jahresversammlung und Farmarbeit
Gestern war Jahresversammlung im Orchester. Ich habe mich als Kurzzeitmitglied einfach mal dazu gesetzt und beobachtet, wie das hier abläuft. Vertreter der drei finanziell beteiligten Kommunen waren auch da und so wurde auf die Konzerte des vergangenen Jahres zurückgeblickt, die dauerhaft eingekauften Flötistin angesprochen, die stark erneuerungsbedürftige Homepage, die gewünschte Kooperation mit und Integration von Musikschülern, eine auf 2013 verschobene Konzertreise nach England und natürlich die Finanzlage... keine Überraschungen für mich. Auffällig ist, dass in einem so kleinen Orchester fast jedes Mitglied eine Aufgabe hat, anders würde es gar nicht gehen. Im inoffiziellen Teil der Versammlung gab es dann belegte Brötchen und Gebäck, sodass man noch ein bisschen erzählen konnte.
Unsere Aufgaben im Stall haben sich nun deutlich herauskristallisiert. Halb neun werden die Schafe gefüttert und einmal in der Woche mit neuem Stroh versorgt. Da haben sie auch immer sehr viel Spaß dran, laufen mitten in den Strohhaufen und lassen sich damit berieseln. Das Wasser bei den Mutterschafen muss auch immer aufgefüllt werden. Wenn wir mit den Schafen fertig sind, schauen wir, welche Pferdeboxen gerade zum Ausmisten frei sind - weil die Pferde gerade auf der Weide sind, eine Runde mit dem Rennwagen trainieren oder auf dem Laufband stehen. So machen wir unterdessen an einem Vormittag fast alle 19 Boxen sauber. Dann eine lange Mittagspause... und 16 Uhr werden die Schafe noch einmal gefüttert und bekommen evtl. Sägemehl eingestreut, außerdem machen wir die Hundezwinger noch sauber. Alles in allem ist das ein sehr entspanntes Arbeiten, über den Daumen gepeilt eine echte halbe Stelle;-) Ich bin gespannt, wie es wird, wenn die Lämmer kommen.
Hier gibt es ja auch ein paar Hühner und deshalb immer viel zu viele Eier im Kühlschrank - aus diesem Grund (nach dem Omelett letzte Woche) heute eine andere Eier-Vertilgungs-Maßnahme, Eierkuchen. Mir war ja durchaus bewusst, dass man diese auf süße und herzhafte Art zu sich nehmen kann, aber so wie Geir? Eierkuchen mit Kartoffeln, Blaubeermarmelade, Speck und Butter!
Unsere Aufgaben im Stall haben sich nun deutlich herauskristallisiert. Halb neun werden die Schafe gefüttert und einmal in der Woche mit neuem Stroh versorgt. Da haben sie auch immer sehr viel Spaß dran, laufen mitten in den Strohhaufen und lassen sich damit berieseln. Das Wasser bei den Mutterschafen muss auch immer aufgefüllt werden. Wenn wir mit den Schafen fertig sind, schauen wir, welche Pferdeboxen gerade zum Ausmisten frei sind - weil die Pferde gerade auf der Weide sind, eine Runde mit dem Rennwagen trainieren oder auf dem Laufband stehen. So machen wir unterdessen an einem Vormittag fast alle 19 Boxen sauber. Dann eine lange Mittagspause... und 16 Uhr werden die Schafe noch einmal gefüttert und bekommen evtl. Sägemehl eingestreut, außerdem machen wir die Hundezwinger noch sauber. Alles in allem ist das ein sehr entspanntes Arbeiten, über den Daumen gepeilt eine echte halbe Stelle;-) Ich bin gespannt, wie es wird, wenn die Lämmer kommen.
Hier gibt es ja auch ein paar Hühner und deshalb immer viel zu viele Eier im Kühlschrank - aus diesem Grund (nach dem Omelett letzte Woche) heute eine andere Eier-Vertilgungs-Maßnahme, Eierkuchen. Mir war ja durchaus bewusst, dass man diese auf süße und herzhafte Art zu sich nehmen kann, aber so wie Geir? Eierkuchen mit Kartoffeln, Blaubeermarmelade, Speck und Butter!
Dienstag, 22. März 2011
Moi
| Die drei Lämmer, nun schon größer, heller und neugieriger. |
| auf dem Weg nach Moi |
Montag, 21. März 2011
Råmelkspudding
Ellen hat heute "Råmelkspudding" gemacht, mit Karamell...mhm! Dieser Pudding wird aus der ersten Milch zubereitet, die eine Kuh nach der Geburt des Kalbs gibt (Biestmilch, Colostrum). Das Kalb braucht wohl nur fünf Liter, sodass die restlichen 35 Liter verarbeitet werden können. Da ist es keine Frage, dass der Nachbar mit seinen 40 Kühen auch ein bisschen was für uns übrig hatte. Diese Milch ist sehr proteinreich und stockt daher im Wasserbad. Man nennt das Gericht auch "Kalbstanz" - wohl wegen der Wackelpudding-artigen Konsistenz nach dem Stocken? Da nicht jeder eine Kuh vorm Haus stehen hat und diese Milch auch nur direkt vom Bauern gekauft werden kann, ist der Pudding sozusagen vom Aussterben bedroht und gehört angeblich in die "Arche des Geschmacks" ("Ark of Taste"), zusammen mit dem Würchwitzer Milbenkäse und vielen anderen. Ich finde ihn da ja nicht, aber gut zu wissen, dass es diese Arche gibt!
Sonntag, 20. März 2011
Gudstjeneste
Heute war gleich mein zweiter freier Tag. Auf dem Papier habe ich eineinhalb pro Woche, aber praktisch gibt es jetzt mehr als während der Lammzeit.
Zur Feier des Sonntags bin ich in das etwa 6 km entfernte Lye geradelt, um dort in den Gottesdienst zu gehen. Keine Kirche, sondern ein schönes Gemeindehaus. Keine Orgel, sondern eine Band. Keine Gesangbücher, sondern Powerpoint. Und während die zahlreichen Kinder der bunt gemischten Gemeinde noch durch den Saal tobten und sich in der Spielecke vergnügten, ging es mit Liedern und dem Abendmahl los, danach dann erst die Predigt. Sprachlich bin ich ziemlich gut mitgekommen - ich bin ja ein Experte im schwedischen Orchesterproben- und Gottesdienstvokabular und weiß, was an bestimmten Stellen kommen muss, sodass ich mir alles zusammenreimen konnte. Interessant ist am Norwegischen, dass es zwei Schriftsprachen bzw. Hauptdialekte gibt - Bokmål und Nynorsk. Der erste ist weiter verbreitet und dem Schwedischen ähnlicher, fällt mir daher auch leichter. Leider wird hier vorwiegend der zweite gesprochen, der gemeinsame Wurzeln mit dem Isländischen und Färöischen hat. Wie ich heute gemerkt habe, kann auch der eine Liedtext in Bokmål stehen, während der nächste in Nynorsk kommt. Das ist schade, wenn man sich gerade über ein neu gelerntes Wort gefreut hat...
Nach dem Gottesdienst standen natürlich die Kaffeekannen und Gebäckteller schon bereit. Ja, es gibt in dieser Gemeinde tatsächlich ein "Bollebakarar"-Team, das für die Zubereitung der süßen Hefebrötchen zuständig ist! Ich habe mich gut mit meinem Sitznachbarn unterhalten, der sofort auf mich zukam. Wie sich herausstellte, ist er fast ein Nachbar von uns und hält Kühe und Schweine. Er wiederum stellte mich einem Software-Ingenieur aus Bryne ist. Nachdem ich mich mit dem ausgetauscht hatte, kam noch der Pianist vorbei (eigentlich Lehrer), der nun meine Mailadresse für eventuelle Bratscheneinsätze hat. Das waren alles sehr nette Leute und ich bin erstaunt, wie offen sie auf mich zukamen, wie schon letzte Woche in der Orchesterprobe. Es ist wirklich schön, so schnell Kontakt zu den Norwegern zu bekommen.
Später habe ich mich mit Lea getroffen, um einen Berg zu besteigen. Wahnsinn, gestern noch am Meer, heute ca. 15 km entfernt in dieser tollen Landschaft:
Zur Feier des Sonntags bin ich in das etwa 6 km entfernte Lye geradelt, um dort in den Gottesdienst zu gehen. Keine Kirche, sondern ein schönes Gemeindehaus. Keine Orgel, sondern eine Band. Keine Gesangbücher, sondern Powerpoint. Und während die zahlreichen Kinder der bunt gemischten Gemeinde noch durch den Saal tobten und sich in der Spielecke vergnügten, ging es mit Liedern und dem Abendmahl los, danach dann erst die Predigt. Sprachlich bin ich ziemlich gut mitgekommen - ich bin ja ein Experte im schwedischen Orchesterproben- und Gottesdienstvokabular und weiß, was an bestimmten Stellen kommen muss, sodass ich mir alles zusammenreimen konnte. Interessant ist am Norwegischen, dass es zwei Schriftsprachen bzw. Hauptdialekte gibt - Bokmål und Nynorsk. Der erste ist weiter verbreitet und dem Schwedischen ähnlicher, fällt mir daher auch leichter. Leider wird hier vorwiegend der zweite gesprochen, der gemeinsame Wurzeln mit dem Isländischen und Färöischen hat. Wie ich heute gemerkt habe, kann auch der eine Liedtext in Bokmål stehen, während der nächste in Nynorsk kommt. Das ist schade, wenn man sich gerade über ein neu gelerntes Wort gefreut hat...
Nach dem Gottesdienst standen natürlich die Kaffeekannen und Gebäckteller schon bereit. Ja, es gibt in dieser Gemeinde tatsächlich ein "Bollebakarar"-Team, das für die Zubereitung der süßen Hefebrötchen zuständig ist! Ich habe mich gut mit meinem Sitznachbarn unterhalten, der sofort auf mich zukam. Wie sich herausstellte, ist er fast ein Nachbar von uns und hält Kühe und Schweine. Er wiederum stellte mich einem Software-Ingenieur aus Bryne ist. Nachdem ich mich mit dem ausgetauscht hatte, kam noch der Pianist vorbei (eigentlich Lehrer), der nun meine Mailadresse für eventuelle Bratscheneinsätze hat. Das waren alles sehr nette Leute und ich bin erstaunt, wie offen sie auf mich zukamen, wie schon letzte Woche in der Orchesterprobe. Es ist wirklich schön, so schnell Kontakt zu den Norwegern zu bekommen.
Später habe ich mich mit Lea getroffen, um einen Berg zu besteigen. Wahnsinn, gestern noch am Meer, heute ca. 15 km entfernt in dieser tollen Landschaft:
Samstag, 19. März 2011
Freitag, 18. März 2011
Impfung
Die Mission "Zäune" haben wir vorerst auf Eis gelegt, denn heute Morgen war draußen alles weiß. Dafür haben wir neues Heu in einem der Ställe verteilt; glücklicherweise mit Atemmaske, denn das ist eine Riesensauerei. Ausgemistet wird bei den Schafen übrigens erst, wenn sie wieder draußen auf der Weide sind. Bis dahin gibt es im Wechsel Heu und Streu, während der Mist darunter festgebacken wird.
Viele Eimer gab es heute noch zu schrubben (ich möchte nicht wissen, was da teilweise drin war) und dann haben wir auf den Tierarzt gewartet, der zur Impfung der Mutterschafe kam. Die wurden in einer Ecke ihres Geheges mit einem Holzgatter zusammengetrieben, der Tierarzt mittendrin, und dann ging es mit der Riesenspritze los wie mit einer Multipette. Jedes gepiekste Schaf hat einen roten Strich auf den Rücken bekommen und innerhalb von Sekunden war er mit einer Abteilung durch.
| Ich und ein besonders nettes Schaf, Clara. |
Donnerstag, 17. März 2011
Zäune
Hier sind die drei Lämmer von gestern Nacht, unten auch gleich mal das vom Januar:
Heute bin ich einer unglaublich meditativen Tätigkeit nachgegangen: wir haben Meter um Meter Zaunschnur aufgewickelt. Da es eine obere und eine unteres Schur gibt, muss man den Zaun zweimal ablaufen, einer lockert die Schnur von den Pfosten, der andere wickelt. Beim dritten Mal kommt das Quad mit Anhänger ins Spiel, wo die ganzen Plastikpfosten hineingeschmissen werden. Die müssen dann natürlich noch sortiert werden (je nachdem, ob eckige oder runde Enden), in Säcke geschlichtet und auf einem Zwischenboden verstaut werden. Für die nächsten Tage haben wir noch ein paar Zäune übrig.
Und Pferdeboxen habe ich heute auch ausgemistet. Geir ist morgens zu einem Rennen nach Bergen gefahren und wird erst mitten in der Nacht wiederkommen, sodass wir da ganz gut mit anpacken konnten.
Und Pferdeboxen habe ich heute auch ausgemistet. Geir ist morgens zu einem Rennen nach Bergen gefahren und wird erst mitten in der Nacht wiederkommen, sodass wir da ganz gut mit anpacken konnten.
Mittwoch, 16. März 2011
Jæren Symfoniorkester und 3 Lämmer
Nachdem wir morgens die Schafe gefüttert hatten, ging´s erstmal nach Bryne ins Steuerbüro. Ich bekomme hier ein "Taschengeld" von 1000 NOK (125 €) pro Woche und muss darauf Steuern an Norwegen zahlen. Ich weiß nicht, nach welchem System ich hier ein gestuft werde, habe mir aber sagen lassen, dass man einen guten Teil der gezahlten Steuern im Folgejahr zurückbekommt. Find ich nett.
Mittags sind Lea und ich gleich nochmal nach Bryne gefahren, um uns das Städtchen näher anzuschauen. Laut Wikipedia gehört Bryne mit knapp 10.000 Einwohnern zu den 50 größten Städten Norwegens - nämlich auf Platz 49. Es geht gemächlich zu hier. Neben Traktoren auf Schulparkplätzen gibt es am Stadtrand einen See, an dem man schön spazieren gehen kann.
Auf dem Weg zurück haben wir noch einen Halt am Fotlandfoss gemacht, diesmal in der Sonne:
Nach der Nachmittagsfütterung bin ich wieder nach Bryne gefahren, um dort zum ersten Mal zu probieren. Über einige Ecken hatte ich die "Jæren Symfoniker" gefunden, ein kleines Amateurorchester mit ca. 30 Mitgliedern. Ich bin dort sehr freundlich begrüßt worden und habe bald darauf verstanden, warum alle so erfreut waren, dass ich "bratjist" bin - mein einziger Bratschenkollege war ein steinalter Schweizer, der sein Instrument kaum oben halten konnte, geschweige denn irgendwie folgen konnte. Es gab viel Gelächter über meine Schafe (und ich muss zusätzlich immer noch schmunzeln, weil Schaf auf norwegisch "sau" heißt); man hat sofort festgestellt, dass ich mit schwedischem Akzent spreche, aber auch mit deutschem (dabei hatte ich gar nicht versucht, Norwegisch zu sprechen) und der beste Mann an Bord hat mich nach der Probe sogar noch gefragt, ob ich Musik studiert habe - das hört man gerne! Die Hebriden sind für dieses Orchester eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber ich bin gespannt, was dabei heraus kommen wird. Außerdem waren noch eine komische Polka, ein Marsch und etwas Händeliges dran. Und Spaß gemacht hat es!
Nachdem ich wieder da war, waren Ellen und ich nochmal im Stall, um nach einem sehr trächtigen Schaf zu schauen. Sie hatte schon heute Nachmittag gesehen, dass irgendwas nicht passt. Die Frau ist Wahnsinn - sie sieht wirklich, welches der Lämmer falsch liegt und während ich das Schaf gehalten habe, hat sie innerhalb kürzester Zeit die drei Kleinen rausgeholt! Nach nur wenigen Minuten machten sie ihre ersten Steh- und Gehversuche. Die vier wurden von den anderen abgetrennt und nochmal gut mit Heu, Streu, Kraftfutter und Wasser versorgt. Ich bin schon gespannt, wie sie morgen im trockenen Zustand aussehen. Tja, jetzt sind es nur noch 142 Lämmer!
Dienstag, 15. März 2011
Motorisiert
Ich bin heute zum ersten Mal nach langer Zeit wieder Auto gefahren - es ging natürlich noch, wenn auch die Norweger ein paar spezielle Regeln für Kreisverkehre haben. Mit unserem "einfach rein - blinkend raus" kam ich hier nicht weit, dann hat Ellen gemeckert. Jeder der hier reichlich vorhandenen Kreisverkehre hat nämlich zwei imaginäre Spuren. Schon vor dem Kreisel sollte man blinkenderweise anzeigen, wo man letztendlich hin will, damit andere die Spuren entsprechend nutzen können. Nach links blinkend rechts zu fahren fand ich ungewohnt.
Wir haben meine Schafstall-Mitarbeiterin Lena vom Flughafen abgeholt und sind auf dem Weg dorthin durch Bryne gefahren. Lustigerweise kommen einige Schüler hier mit dem Traktor zur Schule, da man den schon ab 16 fahren darf und das Auto erst ab 18!
Danach ging´s Arbeitsoverall und Gummistiefel kaufen. Echt schick.
In dieser Tracht konnte ich heute auch endlich mal was tun - natürlich Schafe füttern, also Silage mit der Mistgabel auf die Schubkarre häufen und den Inhalt dann gleichmäßig in der Fressregion verteilen. Da braucht man ein paar Schubkarrenladungen.
Im Anschluss hat uns Ellen noch die Besitztümer gezeigt; mit dem Quad, das ich dann auch fahren durfte. Hehe, das macht Spaß!
Wer auch immer das vermeintliche Schafgerippe von gestern sehen wollte, bitteschön!
Und, was ist es wirklich?
Wir haben meine Schafstall-Mitarbeiterin Lena vom Flughafen abgeholt und sind auf dem Weg dorthin durch Bryne gefahren. Lustigerweise kommen einige Schüler hier mit dem Traktor zur Schule, da man den schon ab 16 fahren darf und das Auto erst ab 18!
Danach ging´s Arbeitsoverall und Gummistiefel kaufen. Echt schick.
In dieser Tracht konnte ich heute auch endlich mal was tun - natürlich Schafe füttern, also Silage mit der Mistgabel auf die Schubkarre häufen und den Inhalt dann gleichmäßig in der Fressregion verteilen. Da braucht man ein paar Schubkarrenladungen.
Im Anschluss hat uns Ellen noch die Besitztümer gezeigt; mit dem Quad, das ich dann auch fahren durfte. Hehe, das macht Spaß!
Und, was ist es wirklich?
Montag, 14. März 2011
Fotlandsfossen
| Fotlandsfossen |
Bei eher ungemütlichem Wetter bin ich heute losgezogen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Sozusagen gleich hier vor der Haustür gibt es eine richtige Sehenswürdigkeit, den "Fotlandsfoss". Dieser ziemlich beeindruckende Wasserfall wurde von den Bewohnern der Region schon immer genutzt; die Mühle und das Wasserkraftwerk weiter stromabwärts können heute noch besichtigt werden. Ich bin gespannt, wie das in ein paar Wochen in grün aussieht!
In der Nähe dieses Wasserfalls beginnt ein kleiner Wanderweg, der erst noch am zugehörigen Fluss (am Håelv) entlang führt, dann quer über eine Weide führt und über noch eine Weide... die Markierungen wurden immer seltener, bis ich schließlich vor einem Schafgerippe stand und beschloss, dass das für heute das Ziel gewesen sein muss.
Ich habe die Erkundung lieber auf der Straße als auf der Weide fortgesetzt und bin noch ein ganzes Stück durch den immer dichter werdenden Nebel gelaufen, der hier wohl regelmäßig vom nahe liegenden Atlantik übers Land schwappt.
Bei der Nachmittagsfütterung der Schafe habe ich nur zugeschaut - ab morgen habe ich dann auch Gummistiefel und Arbeitsklamotten, sodass es losgehen kann!
Sonntag, 13. März 2011
Velkommen!
So, liebe Tierfreunde, die ihr euch darauf einlasst, ein Blog über das ungeheuer vielseitige Leben und Arbeiten auf einer norwegischen Schaffarm zu verfolgen - man hat mich vielfach überredet und ich werde selbstverständlich das Beste daraus machen!
Nachdem meine Diplomarbeit schon seit 2 Monaten ein unabänderliches gedrucktes Dasein fristet und ich einen Teil meiner großen Reiselust in Thailand gestillt habe, werde ich nun mindestens 3 Monate in Norwegen verbringen und einer im Vergleich zum Pipettieren normalen und bodenständigen Tätigkeit nachgehen.
Geschoren sind sie schon und außerdem sind es eh Fleischschafe. Zu Mittag gab es heute...Lamm. Die Fleischstücke musste man erstmal gründlich auseinander nehmen, bei dem, was da noch so dran hing. Eigenes Lamm, aber nicht aus eigener Schlachtung.
Gemacht habe ich heute noch nichts, eben nur den Rundgang durch den Stall (es gibt sogar schon ein Winterlamm) und Aufbauen einer IKEA-Kommode. Am Dienstag kommt meine Mitstreiterin hier an, sodass es wohl dann erst richtig mit Erklärungen und Arbeitsanweisungen losgehen wird. Ich hab hier ein gemütliches holzverkleidetes Kellerzimmer mit Blick auf die Wäschespinne; unterdessen hat es sogar annäherungsweise Raumtemperatur erreicht. Und es ist natürlich ein Segen, endlich wieder besseres Internet als in Jena zu haben!
Nachdem meine Diplomarbeit schon seit 2 Monaten ein unabänderliches gedrucktes Dasein fristet und ich einen Teil meiner großen Reiselust in Thailand gestillt habe, werde ich nun mindestens 3 Monate in Norwegen verbringen und einer im Vergleich zum Pipettieren normalen und bodenständigen Tätigkeit nachgehen.
![]() |
| Die Reiseroute |
Und wie das bei mir immer so ist - schon die Anreise darf ein kleines Abenteuer sein! So habe ich das schöne Jena am Freitag mit dem ICE nach Berlin verlassen und mich dort mit Birte und Anke getroffen, ehe es weiter ging ins dänische Vejle; von dort mit dem Gumminasen-Zug nach Hjörring noch weiter mit einem Vogtlandbahn-Verschnitt nach Hirtshals. Dort wurde ich von Nieselregen und orkanartigen Böen begrüßt und bin mit meinem schweren Koffer, der im Rucksack getarnten Bratsche und dem Handgepäck zur Jugendherberge gelaufen, wo ich mein eigenes Viererzimmer mit Bad beziehen konnte. Die Jugendherberge ist direkt am Nordseestrand gelegen, wovon ich aber - abgesehen vom Wind - nicht viel mitbekommen habe.
Glücklicherweise hatte ich nochmal gefragt, wie lange man den ungefähr zur Fähre braucht. Eine Stunde Fußmarsch war jedenfalls nicht verkehrt, um die darauf folgenden 12 Stunden Fährfahrt nach Stavanger auszugleichen. Ich muss ein schönes Bild abgegeben haben, wie ich da mit Sack und Pack an den Autoschlangen vorbeimarschiert bin...
Die Fähre war unspektakulär - auf den unteren 2 Decks Autos und LKW, auf den oberen Kabinen, dazwischen viel Platz und wenig Menschen, am auffälligsten die betrunkenen Norweger. Da das Wetter nicht besser wurde, habe ich nicht viel von der norwegischen Küste mitbekommen und die Zeit damit verbracht, Glennkill zu lesen;-)
In Stavanger wurde ich von Ellen (der Farmerin) und Siri (ihrer Ziehtochter) abgeholt. "Zu Hause" habe ich dann noch Geir (den Farmer) und Ena (Siris Tochter) kennen gelernt, wobei ich nun wirklich mit Schwedischbrocken um mich schmeißen musste und vom Norwegischen keinesfalls alles mitbekommen habe.
Eine kleiner Erkundungsgang am nächsten Tag brachte interessante Erkenntnisse zum Pferdesport mit sich. Nein, hier sind nicht nur 160 Schafe, sondern es laufen auch Pferde in einer Trainingsmaschine im Kreis oder gar auf dem Laufband! 19 Rennpferde gibt es hier - anscheinend Geirs Aufgabenbereich - und mit denen werden auch Rennen gefahren. Das wiederum ist in Norwegen sehr populär, so sind z.B. jeden Dienstag Rennen in Stavanger.
Und hier sind nun meine Freunde:
Glücklicherweise hatte ich nochmal gefragt, wie lange man den ungefähr zur Fähre braucht. Eine Stunde Fußmarsch war jedenfalls nicht verkehrt, um die darauf folgenden 12 Stunden Fährfahrt nach Stavanger auszugleichen. Ich muss ein schönes Bild abgegeben haben, wie ich da mit Sack und Pack an den Autoschlangen vorbeimarschiert bin...
| Jugendherberge in Hirtshals |
| MS Bergensfjord |
In Stavanger wurde ich von Ellen (der Farmerin) und Siri (ihrer Ziehtochter) abgeholt. "Zu Hause" habe ich dann noch Geir (den Farmer) und Ena (Siris Tochter) kennen gelernt, wobei ich nun wirklich mit Schwedischbrocken um mich schmeißen musste und vom Norwegischen keinesfalls alles mitbekommen habe.
| Die Farm: links das Wohnhaus, rechts der Stall |
Und hier sind nun meine Freunde:
Geschoren sind sie schon und außerdem sind es eh Fleischschafe. Zu Mittag gab es heute...Lamm. Die Fleischstücke musste man erstmal gründlich auseinander nehmen, bei dem, was da noch so dran hing. Eigenes Lamm, aber nicht aus eigener Schlachtung.
Gemacht habe ich heute noch nichts, eben nur den Rundgang durch den Stall (es gibt sogar schon ein Winterlamm) und Aufbauen einer IKEA-Kommode. Am Dienstag kommt meine Mitstreiterin hier an, sodass es wohl dann erst richtig mit Erklärungen und Arbeitsanweisungen losgehen wird. Ich hab hier ein gemütliches holzverkleidetes Kellerzimmer mit Blick auf die Wäschespinne; unterdessen hat es sogar annäherungsweise Raumtemperatur erreicht. Und es ist natürlich ein Segen, endlich wieder besseres Internet als in Jena zu haben!

