Da stand ich nun nachts halb vier auf dem neuen Bahnhof in Umeå - und auf der Anzeigetafel stand, dass mein Zug durch einen Bus ersetzt wird. Aber mehr auch nicht. Leider ist es so, dass dieser tolle neue Bahnhof zwei Ausgänge hat...ich bin der einzigen Ausschilderung gefolgt, die etwas mit "Bus" zu tun hat und habe zwischen Bahnhof und Busbahnhof gewartet. Kein Mensch weit und breit, keine Ansage, Stille, Sonnenschein, irgendwann nach geplanter Abfahrt eine andere verschlafene Reisende, Anrufe beim SJ-Kundendienst, Rückruf, Taxi kommt angeblich noch, der Zug wartet auf uns. Der Bruder meiner Leidensgenossin saß in diesem Zug und wir wussten bald, dass dieser nicht gewartet hatte (Umeå ist ein Sackbahnhof und der Zug aus Stockholm Verspätung hat, fahren sie Umeå gar nicht erst an, sondern transportieren alle mit Kleinbussen). Und tatsächlich haben wir dann auch dieses winzige Schild am anderen Ende des Bahnhofs gefunden, welches die Abfahrt von Schienenersatzverkehr kennzeichnet. Sind am Telefon umgebucht worden, haben 3 Stunden auf den nächsten (auch verspäteten) Zug gewartet, die SJ-Beamten haben uns ausgelacht und gemeint, dass dieser Bus doch immer von der Westseite fährt. Ganz große Klasse.
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| irgendwo zwischen Kiruna und Narvik, schwedische Seite |
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| ...und die norwegische Seite |
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| Bad in Narvik gefällig? |
Das hatte letztendlich zur Folge, dass ich meinen Anschlussbus auf die Lofoten gründlich verpasst habe, meine Hostelbuchung stornieren musste und eine Nacht in Narvik verbringen musste. Da war ich ja vor drei Jahren schon einmal...ich habe Jimmy (meinen allerersten Couchsurfing-Gastgeber) kontaktiert, der zwar für die Nacht schon Gäste hatte, mich aber am Abend mit den beiden Schweden auf seine Autotour durch Narvik & Umgebung genommen hat. Wir haben Ausschau nach Walen gehalten (leider (wieder) erfolglos), waren an einem kleinen Hafen, an einem Fjord, am Strand und haben dann noch bei Jimmy Kuchen gegessen und Kaffee getrunken.
@Steffi: Jimmy hat unseren Gästebucheintrag gleich wiedergefunden und sogar Zettel und Geld sind noch in der Money Box!
Mit meinem Hostel habe ich es dann auch gut getroffen - habe für ein Bett im Mehrbettzimmer bezahlt, aber es tauchte niemand anders auf:-)
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| mit dem Bus auf die Lofoten |
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| Leuchtturm in Stamsund, gleich beim Hostel |
Zusammen mit den schwedischen Couchsurfern ging es dann endlich per Bus auf die Lofoten, sie sind irgendwo in der Pampa zum Wandern ausgestiegen und ich bin nach zweimal Umsteigen in Stamsund angekommen, der Hurtigruten-Anlegestelle auf den Lofoten. Eine Jugendherberge direkt am Wasser, ein norwegisches Fischer-Urgestein als Herbergsvater, eine Herberge der besonderen Art.
Am folgenden Tag habe ich mir ein Fahrrad ausgeliehen, um die wunderbare Landschaft zu erkunden. Einen Pass hinauf, Blick auf sonnenbeschienene Berge im Süden, eine kleine Straße entlang zu einem blendend weißen Strand, ein Stück zurück, in ein unbedeutendes und umso niedlicheres Fischerdorf, wieder einen Pass hinauf, um eine Meereszunge herum, immer wieder beeindruckt von den fast surrealen Bergen, zum Hostel, zum Bus und an eines der Enden Norwegens - nach Å.
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| diese Berge auf den Lofoten... |
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| ein Sandstrand an der Westküste |
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| Fischerdorf (Mortsund) |
Hier glücklicherweise wieder ein Mehrbettzimmer für mich allein, ein wunderbarer Abendsonnen-Blick auf die im Süden liegenden Inseln, Ruhe. Am folgenden Tag besuche ich das Trockenfisch-Museum (Trockenfisch ist DAS Produkt der Lofoten), sehe einen Film und viele getrocknete Fische. Der Inhaber ist sehr nett, erzählt unheimliche Geschichten von seinem Bootsverleih. Viele Touristen kommen her, um zu angeln, missachten aber die Warnungen vor den extrem starken Gezeitenströmen - am Tag zuvor ein Toter, nicht viel eher ein Rettungshubschrauber-Einsatz. Ich bleibe lieber an Land und begebe mich auf die Wanderung zur "Munkebua", einer kleinen Hütte in den Bergen. Im Handbuch als "moderate walk" aufgeführt, komme ich gut ins Schwitzen, es gibt regelrechte Kletterpartien auf steilen blanken Felsen, der Blick zurück wird immer unglaublicher. Steil hinauf, sogar über Schneefelder und plötzlich öffnet sich der Blick auf die Hütte und die andere Seite...unbeschreiblich! Noch dazu wird es sonnig, besser könnte es nicht sein, kein Foto kann das festhalten.
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| getrockneter Fischkopf |
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| ein Traum-Campingplatz |
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| Wanderung zur Munkebua |
Ich lasse mir Zeit auf dem Weg zurück zur Jugendherberge und mache mich am Abend auf den 6 km langen Weg nach Moskenes, um meine Fähre zurück zum Festland zu erreichen. Ja, mitten in der Nacht, denn ich will doch mal die Mitternachtssonne sehen, die mir auf der Ostseite der Lofoten wegen der hohen Berge bisher verwehrt blieb. Sie ist dann doch von wenigen Wolken verdeckt, aber dennoch sieht das alles sehr schön aus; eine besondere Fahrt. Bis auf das schreiende Kind...muss man mit so einem kleinen Kind von 0:30 bis 4:00 Fähre fahren? Und ich war vorgewarnt worden, dass auf dieser Fähre selbst die härtesten Naturen seekrank werden - vielleicht war es ein extrem ruhiger Tag?
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| nachte halb eins verlasse ich die Lofoten |
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| halb vier, kurz vor Bodø |
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